STADTRADELN-Star Blog: Tobias Perrey


Mo. 28. – Mi. 30.9.

Ecrit le 30.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Ich habe drei Wochen lang kein Auto von innen gesehen. Als notorischer Radfahrer war das für mich keine nennenswerte Einschränkung meines Alltags. Es gab nur zwei Situationen, in denen ich unseren Pkw benutzt hätte, wäre ich nicht gerade „Stadtradelstar“.
Die Unterstützung durch die Stadt Emsdetten war prima. Durch das regelmäßige Schreiben in den Blog ist mir so manches erst richtig bewusst geworden, z.B. wie gut mir das Radfahren tut.
Zur Aktion Stadtradeln: ich habe in den letzten Jahren nie daran teilgenommen, weil für mich Radfahren so normal ist, dass ich darüber nicht Buch führen und dafür auch keinen Preis haben möchte. Mein Lohn ist die Gesundheit. Auch das alljährliche „Anradeln“ im Frühling habe ich abgelehnt. Denn im Umkehrschluss heißt das ja, man solle in den Wintermonaten gefälligst das Auto benutzen. Inzwischen sehe ich ein, dass man solche Anreize bieten muss, um die Menschen auf den Sattel zu kriegen.
Die Zeit als „Stadtradelstar“ hat mich motiviert, in Zukunft jede Autotour noch strenger auf ihre Notwendigkeit hin zu hinterfragen. Zur Arbeit werde ich weiterhin grundsätzlich radeln. Das würde ich auch machen, wenn der Weg länger wäre.

Wenn ich morgens am Grevener Damm an der langen Pkw-Schlange vorbeifahre, schaue ich mir manchmal die Gesichter der InsassInnen (meistens ist es ja nur eine/r…) an. Da sitzt sie in ihrer Wohlfühlkapsel aus Blech und Glas und trommelt auf ihr Lenkrad, weil es nur stockend vorangeht. Mit dem Fahrrad brauche ich immer acht Minuten.
Die Autoindustrie hat uns über Jahrzehnte hinweg mit Slogans wie „sportliches Fahrwerk“ oder „der kleine City-Flitzer“ manipuliert. Autofahren ist extrem unsportlich und gerade im Stadtverkehr eine träge und nervige Angelegenheit.
Dass ich nie ein begeisterter Autofahrer war und auch mit dem Statussymbol auf vier Rädern nichts anfangen kann, hat sicherlich damit zu tun, dass ich auf einer autofreien Insel aufgewachsen bin. Dort wird bis heute alles wie selbstverständlich mit Fahrrädern plus Anhängern erledigt. In den Herbstferien werde ich dort wieder Urlaub machen und mich gerne vom Kutschengeklapper morgens wecken lassen. Natürlich ist das eine Idylle, die nicht auf den Rest des Landes übertragbar ist. Aber es ist schön, daran teilzuhaben, wie die Inselbewohner die „Ruhe weg haben“. Und irgendwie sehen die alle so gesund aus.
Wenn ich als Kind früher mit meinen Eltern aufs Festland fuhr, kam es vor, dass mir beim Einatmen der ersten Autoabgase richtig schlecht wurde. Klar, das hat uns geprägt. Meine beiden Geschwister leben seit Jahren autofrei, allerdings in Städten mit Straßenbahnanschluss um die Ecke und nicht in der Provinz so wie ich. Mein Bruder (46) hatte sogar noch nie ein Auto, seine Frau und die Kinder machen alles mit Rad und ÖPV. Von dem gesparten Geld kann man sich ggfs. locker mal ein Taxi leisten.
In Emsdetten liegt der Fall ein bisschen anders, hier muss eine Familie motorisiert sein, das sehe ich ein. Aber warum nicht Car-Sharing machen, wie meine Stadtradel-Komplizin Martina vorschlägt? Das könnte für uns Wenig-Fahrer eine interessante Idee sein.

Zum Abschluss noch dieser Gedanke: Es gibt für mich nichts paradoxeres als einen Autofahrer, der sich aufregt sich über den Stau, in dem er steckt. Am liebsten würde ich ihm zurufen: „Hey, du BIST der Stau!“

Allzeit gute Fahrt wünsch ich euch.

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Sa. 26. – So.27.9.

Ecrit le 27.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Es ist kühler geworden, der Herbst macht sich bemerkbar. Für eine Rennradtour mit kurzer Hose am Sonntagmorgen finde ich es so gerade noch okay. Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, ist mein Equipment ziemlich old school. Man kann mein Gefährt eigentlich nicht „Rennrad“ nennen, es ist ein schlank gemachtes Tourenrad mit Rahmenschaltung, Lenkerhörnchen, Schlaufenpedalen und uralten Campagnolo-Bremsen; habe es vor etwa 20 Jahren einem Freund abgekauft. Ersatzteile findet man dafür kaum noch. Zum Trainieren finde ich es ideal, gerade weil es nicht so eine Rennmaschine ist. Mir geht es auf meinen Touren nämlich weniger um Geschwindigkeit als eher um Sicherheit und ums Wohlfühlen. Als Tacho nutze ich ein ausrangiertes Smartphone ohne sim-Karte, es ist mit Gummihalterung am Lenker befestigt. Dank GPS und kostenlosen Apps (Speedometer und/oder Komoot) erhalte ich so alle Daten, die ich brauche. Und einen Notruf könnte ich damit im Fall der Fälle auch absetzen.
Bei der Bekleidung bevorzuge ich das gute alte Fahrradtrikot, darüber ggfs. eine winddichte, atmungsaktive Jacke, die gerne ein bisschen schlabbern darf. Der Trend zu möglichst eng anliegendem Super-Elastic-Material ist an mir vorbeigegangen. Ich finde, man muss nicht groß investieren, wenn man Rennrad fahren will, es sei denn, man möchte sich im Wettkampf mit anderen messen. Dann brauchst du Klick-Pedalen und all dieses Zeugs, um mithalten zu können.
Ich fahre nur in der Zeit von April bis Oktober, etwa 2x im Monat und meistens alleine. Heute führt mich meine 28 km-Runde durchs Venn, über Hauenhorst und die RadBahn Münsterland, dafür benötige ich eine gute Stunde.

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Fr. 25.9.

Ecrit le 25.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Heute bin ich 20 km Rad gefahren. Das sieht vielleicht für einige nach „ganz viel“ aus, ist es aber überhaupt nicht. Diese Zahl kommt zustande durch insgesamt acht Strecken innerhalb der Stadt, von denen keine länger als 3 km war. Für mich sind diese Mini-Etappen im Alltag kurze Durchschnaufer, die ich echt brauche. Der Kreislauf kommt auf Touren, ich kriege frische Luft. Es würde mich total nerven, wenn ich all das mit dem Auto fahren müsste.
Ich weiß aber, dass viele Menschen das anders empfinden: mein Auto als kleines Wohnzimmer, meine Zelle, in der ich mich von meiner Umgebung, Menschen und Wetter abschotten kann. Ich kenne Leute, die nur ein oder zwei km von ihrer Arbeit entfernt wohnen, aber aus genau diesem Empfinden heraus immer das Auto vorziehen.
Sie wissen nicht, was ihnen entgeht.

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Mo. 21. – Do. 24.9.

Ecrit le 24.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Zum ersten Mal ergibt sich eine Situation, in der ich doch gerne das Auto benutzt hätte: Nach dem Heckeschneiden fallen mehrere Säcke mit Grünabfall an. Normalerweise ist es mein Job, diese mit der „Familienkutsche“ zum Müllumschlagplatz zu karren. Meistens verbinde ich solche Touren mit weiteren typischen Auto-Erledigungen wie z.B. Getränkekauf (wobei ich auch das gerne mit dem Fahrrad mache, ein bis zwei Kisten sind kein Problem), damit es sich auch wirklich lohnt, den Diesel anzuschmeißen. Ausnahmsweise bringt meine Frau am Dienstag den Gartenabfall weg.
Als „Stadtradelstar“ mache ich mir so meine Gedanken zur Verkehrspolitik und achte vermehrt auf die Qualität unseres Radwegnetzes. Die ist echt ausbaufähig. Auf der Borghorster Straße, der Neubrückenstraße und auf dem Grevener Damm habe ich gefährliche Engpässe ausgemacht. Da fühle ich mich unsicher. Emsdetten ist immer noch eine Autofahrerstadt. Vielleicht ändert sich ja daran etwas, wenn am Sonntag der grüne Kandidat die Bürgermeister-Stichwahl gewinnt?
Manche Bürger unserer Stadt regen sich auf über den Verkehr und den Lärm. Sie wollen ihn weg haben von der Haustür, realisieren aber gar nicht, dass sie selber ein Teil davon sind! Nicht nur, weil sie ihr Auto benutzen. Mit jeder Amazon-Bestellung, mit jedem Einkauf von Lebensmitteln aus aller Welt forcieren wir die Lkw-Lawine. Ich finde es deshalb geradezu dekadent, Umgehungsstraßen zu fordern.
Wie wär’s, wenn wir stattdessen anfangen, unseren Lifestyle zu ändern: Rad und „Öffis“ benutzen bzw. auf E-Mobilität umsteigen, heimische Produkte kaufen, Verpackungsmüll vermeiden usw…? Das geht nicht von heute auf morgen. Aber es wird gehen. Nennt mich bitte gerne einen unverbesserlichen Idealisten. Es muss sogar irgendwann gehen.

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So. 20.9.

Ecrit le 20.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Die Radtour zurück geht von Arnsberg-Bruchhausen nur bis zum Bahnhof Drensteinfurt, weil ich wegen eines Termins mit der Familie rechtzeitig nach Hause muss. Sonst wäre ich vielleicht durchgefahren. Immerhin kommen so auch rund 65 km zusammen. Von hinten durch den Wald schleiche ich mich an den Möhnesee heran. Eigentlich wollte ich dort über den Staudamm fahren, aber ich habe das bei der bei komoot vergessen mit einzuplanen, was ich zu spät bemerke. Egal, ich war eh schon mal dort. Auf der Rücktour steht der Wind günstiger für mich als am Freitag, dafür hab ich mehr mit Gefälle und Schotterpiste zu schaffen. Die letzten 15 km fahre ich stumpf neben der Bundesstraße her, weil ich nochmal ordentlich ausrollen will. Es war ein tolles, erholsames Solo-Wochenende mit ganz viel Sonne!

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Sa 19.9.

Ecrit le 20.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Heute bleiben die Fahrradklamotten im Zimmer und ich erkunde „in Zivil“ die Umgebung. Dabei kommen nur etwa zehn Fahrrad-km zusammen aber mindestens genauso viele zu Fuß. Die Innenstadt von Arnsberg mit der Burg hat viele sehr steile Gassen.

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Fr 18.9.

Ecrit le 20.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Für dieses Wochenende war ursprünglich mal die alljährliche Männertour geplant. Und die ist natürlich längst abgesagt. Ich habe alternativ für mich 2 ÜF im EZ in Arnsberg gebucht, freue mich über das tolle Wetter und los geht's! Selbstverständlich mit dem Fahrrad. Die Strecke bis Münster bin ich schon so oft geradelt, die schenke ich mir und lege sie mit der Bahn zurück. Es ist genau 12 Uhr, als ich den ersten meiner 84,3 km in Angriff nehme. Am Kanal entlang und durch Drensteinfurt und das weniger fahrradfreundliche Hamm führt mich die komoot-Stimme sicher bis nach Wickede, wo der Ruhrtalradweg lockt. Es ist eine wunderbare Tour; ich lasse mich treiben, genieße Natur, Musik (leise über Kopfhörer) und frische Luft so sehr, dass ich fast in einem Rutsch durchfahre. Ich esse sogar meine Brote im Sattel. Nur auf dem höchsten Punkt der Tour gönne ich mir ein paar stille Panorama-Minuten. Von Wickede brauche ich noch eine Stunde bis nach Bruchhausen, einem Vorort von Arnsberg. Der Radweg verläuft streckenweise spektakulär entlang einer engen Schneise zwischen dem Fluss und der A445. Um 17 Uhr bin ich am Ziel. Später mache ich noch ohne Gepäck einen kleinen Abstecher zur Ruhr, die malerisch in der Abendsonne dahinfließt.

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Mo. 14. – Do. 17.9.

Ecrit le 17.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Das waren vier Tage, in denen ich ausschließlich im Emsdettener Stadtverkehr geradelt bin. Geschätzt waren es täglich so zwischen 10 und 14 km. Wenn ich 2x zur Arbeit und zurück fahre, habe ich schon gut 9 km auf dem imaginären Tacho, dazu kommen noch Strecken zu Erledigungen (wie z.B. Altglas wegbringen), Einkäufen oder zum Fußballplatz, wo mein Sohn Training hat. In unserer Kleinstadt sind das fast alles kurze Wege. Man würde mit dem Auto kaum Zeit sparen. Wenn ich lese, dass gut die Hälfte aller Autofahrten in Deutschland kürzer als 5 km sind, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Selbst hier im ach so fahrradfreundlichen Münsterland kenne ich genug Menschen, für die „aus dem Haus gehen“ gleichbedeutend ist mit „ins Auto einsteigen“. Ich meine: Wer zwei gesunde Beine hat, sollte innerhalb der Stadt das Rad oder E-Bike benutzen. Es gibt soooo viele gute Argumente dafür, dass ich gar nicht anfangen will, sie hier aufzuzählen… ihr kennt sie ja doch alle.

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So. 13.9.2020

Ecrit le 14.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

CO2-Einsparung kann ich bisher kaum verbuchen, da meine Fahrradtouren kein Ersatz für Autofahrten sind. So ist es auch heute. Meine 33 km-Tour führt mich durchs Venn, über den Kampelweg auf die „RadBahn Münsterland“. Das ist ein Highway für Radler auf einer Trasse, wo früher einmal Gleise lagen, sehr zu empfehlen. Den Bahnhof St. Arnold schaue ich mir immer wieder gerne an, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Ein kurzes Stück auf dem Mesumer Damm führt mich zu einer Abzweigung Richtung Grafensteiner Seen. Schade, dass man darin nicht baden darf, das wäre eine schöne Alternative zu unserem Freibad. Über den Max-Clemes-Kanal und den Goldbergweg geht es mit etwas Schotterpisten-Anteil nach Hause.

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Sa. 12.9.2020

Ecrit le 14.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Ich fühle mich wieder fit und will mit dem Rad zum Haddorfer See, Frau und Kinder und Freunde besuchen. Aber dann kommt die Meldung, dass zwei meiner Arbeitskollegen Corona-infiziert sind und ich lasse das sicherheitshalber bleiben. Am späten Nachmittag drehe ich eine einsame Runde durch das Venn, ca 18 km. Wie entspannt es hier draußen ist. Man muss gar nicht sein Auto vollpacken, sich durch den Straßenverkehr quälen, um irgendwo für ein Wochenende „die Seele baumeln zu lassen“, wie die Tourismusbranche oder wer auch immer uns weismachen will. Erholung gibt es zum Nulltarif vor der Haustür. Und hier gilt: der Weg ist das Ziel. Abends kommt Entwarnung, ich muss nicht in Quarantäne.

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Fr. 11.9.2020

Ecrit le 14.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Halsschmerzen in der Nacht, Krankmeldung und ein Corona-Test: wieder kein großer Stadtradelstar-Tag. Na toll. Meine Familie reist ohne mich ab zum Campingwochenende mit Freunden. Abends geht es mir besser und ich drehe eine ganz gemütliche 8km-Runde mit dem Hollandrad.

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Do. 10.9.2020

Ecrit le 14.09.2020 de Tobias Perrey
Equipe: Offenes Team - Emsdetten
Commune: Emsdetten im Kreis Steinfurt

Heute, am ersten Tag, saß ich wenig im Sattel. Nur zur Arbeit und zurück und zu K+K, vielleicht 6 km insgesamt. Dafür ein Stündchen am späten Nachmittag gejoggt.

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