STADTRADELN-Star Blog: Rheinberg im Kreis Wesel


Fahrradmusik

Ecrit le 04.10.2020 de Renan Cengiz
Equipe: Die PARTEI Rheinberg
Commune: Rheinberg im Kreis Wesel

Bevor ich es vergesse, möchte ich Ihnen noch ein paar meiner liebsten Fahrradlieder mit auf den Weg geben.

John Frusciante – Bike





Pink Floyd – Bike





Die Prinzen – Mein Fahhrad





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Das Fahrrad als Musikinstrument (Frank Zappa)



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Auf Tour 2/2

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Commune: Rheinberg im Kreis Wesel

Interlude: Alles hat ein Ende

Ich schreibe diesen Einschub am letzten Tag des Stadtradelns. Wie schnell die Zeit verging! Und wie langsam ich schreibe! Dieser zweite Teil des Tourberichts erfolgt in Eile, weil eben keine Zeit mehr bleibt. Daran sehen Sie aber auch, wie wenig ich am Rechner sitze – die Natur ist doch nun wirklich wichtiger als ein ordinärer Ordinateur!

Sechstes Ziel: Alte Weseler Rheinbrücke

Vor Wesel machen wir Halt an der alten Rheinbrücke in der Rheinaue zwischen Büderich und Perrich.

Kurze Geschichte der Brücke:

Als sie 1874 eröffnet wurde, war die Weseler Rheinbrücke die längste Eisenbahnbrücke Europas. Auf Geheiß der preußischen Militärverwaltung diente sie außerdem zur Sicherung der Festung Wesel – daher die teils noch heute erahnbaren Wehrtürme und das nahe Fort. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs bot die Brücke den letzten Weg, der die Alliierten trockenen Fußes über den Rhein hätte bringen können. Die Nazis sprengten das Bauwerk daher im März 1945 in ihrem wahnwitzigen Bestreben, ihre Niederlage hinauszuzögern. Heute ist die halb verfallene Brücke das Zuhause vieler Lebewesen, darunter Fransenfledermaus, Steinkauz, Heuschrecken, Mauerbienen und – unter den Pflanzen hervorzuheben – der Echte Natterkopf. Mehr erfahren Sie hier: https://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=O-92209-20140508-2

Wir besichtigen die alten Steine, rasten und genießen abermals das skurrile Bild: Naturlandschaft, Bauruinen und die Skyline Wesels – das hat einen Charme, den ich Ihnen hier gar nicht weiter beschreiben will – steigen Sie aufs Rad und erleben Sie ihn doch einfach selbst. Das geht auch außerhalb der Stadtradelchallenge!

Siebentes Ziel: Wesel City und Auesee

Mittagessen in Wesel City. Wir sitzen im Außenbereich eines der vielen kleinen Gastronomien im Stadtzentrum und gönnen uns ein kleines warmes Mahl. Nicht zu lange, wir wollen ja heute Kilometer machen. Wenigstens ein paar. Also aufgeschwungen zum nächsten Lieblingsort: der Auesee.

Kurze Geschichte des Auesees:

Wie so viele Niederrheinseen war auch der Auesee eine Kiesbaggergrube und wurde nach dem Abbau als Naherholungsgebiet aufgearbeitet. Das Ergebnis ist ein ziemlich, ziemlich großer Badesee (1,6 km²) mit sehr viel Liegewiese (6 km²).

Eigentlich wollen wir schwimmen, aber der Wind frischt auf und es fängt an zu tröpfeln. Verträumt sitzen und liegen wir am Ufer, ignorieren die spärlichen Tropfen, dösen, gucken in die Wolken und kühlen aus. Jetzt ist Baden wirklich nicht mehr schön, und angesichts der kippenden Wetterlage begraben wir das Projekt, heute wenigstens 50 km zu knacken, endgültig, um den Weg zurück nach Rheinberg anzutreten – also: treten im Pedalensinn, versteht sich.

Achtes Ziel: Rheinberg again

Am späten Nachmittag hiesiger Zeitrechnung sind wir zurück am Annaberg. Bei mir angekommen, zaubern wir eine regionale, saisonale, vegane Salsa und in Gewürzöl geröstete Landbrotstreifen, sitzen auf der Terrasse und lassen die Reise nachwirken. Sie glauben ja gar nicht, wie viele Details ich Ihnen aus unterschiedlichen Gründen verschwiegen habe. Die können Sie sich jetzt alle dazudenken, von Kümmel bis Chili.

In diesem Sinne: Leben Sie würzig und zufrieden, schmeißen Sie Ihren Fernseher aus dem Fenster, verschenken Sie Ihr Auto und fahren Sie viel Rad!

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Auf Tour (1/2)

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Equipe: Die PARTEI Rheinberg
Commune: Rheinberg im Kreis Wesel

Ich höre eine Sprachnachricht der Radsportlerin ab, die mir mein Stadtradelfahrrad geschenkt hat (siehe vorheriger Blogeitrag). Mittlerweile sind wir Freunde und mögen uns sehr.

„Also, so’n Stadtradelstar, ne … der sollte ja zumindest einmal in der ganzen Zeit ’ne Langstrecke mit dem Fahrrad fahren. Und vielleicht kannst du dir ja mal zwei Tage freischaufeln, weil: Du willst ja sowieso nicht mehr so viel arbeiten“ – sie lacht – „und dann könnt’ ich dir meine Lieblingsplätze hier in der Umgebung zeigen, und du mir deine.“

Mein innerer Schweinehund prüft die Argumente. Verdammt. Sie sind nicht übel. Um nicht zu sagen: Ich finde die Idee sehr gut. Ich könnte im Blog drüber schreiben, garniert mit stimmungsvollen Reisefotos. Das Ding hinter dem Schweinehund ist halt: Ich zelte nicht so wahnsinnig gerne irgendwo. Das liegt daran, dass ich zwar ein einigermaßener Naturbursche bin, aber nicht gern reise. Vielleicht sind es leicht autistische Züge; jedenfalls schätze ich ein gleichbleibendes räumliches Umfeld, in dem ich mir sichere Nischen schaffen kann, die da sind, wenn ich ihrer bedarf. Der Musikbunker etwa. Oder das kleine Badezimmer. Ich brauche das nicht, aber es hilft mir beim Leben. Wie ein Fahrrad.

Nach reiflicher Überlegung (ca. zwei Minuten) sage ich zu.

„Echt? Krass, Du bist ja richtig ,cool‘“, kommt es schriftlich zurück. Ey! War das Sarkasmus? Ein Teil von mir fühlt sich freundlich gefoppt. Cool sein, das ist ein Rudiment meiner Hardcore-Hiphop-Zeit. Ich übte einige Jahre cool zu sein, um dann, später, bei den Punks und Grungern, uncool sein zu üben. Bin aber mittlerweile einigermaßen zu mir gekommen. ZwinkerSmiley.

Aber Buddha bei die Fische: Wir verabreden uns; der Tag der Abfahrt kommt.

Abfahrt Annaberg

Wir brechen am Vormittag auf, gegen 11 Uhr. Na ja, zugegeben: New Yorker Zeitrechnung. Das Haus, in dem ich wohne, hat nämliche eine sehr gemütliche Terrasse. Die Tour ist ohnehin als Kurzurlaub gedacht, denn zumindest in meinem Leben war in den Wochen und Monaten zuvor kaum eine Atempause. Also nehmen wir uns die Freiheit heraus, in die sinkende Sonne zu starten.

Erstes Ziel: Alpsray

Meine eigene Geschichte ist untrennbar mit Alpsray verbunden, hauptsächlich wegen der drei folgenden sozialen Vortices:

(1) Meine Kindheit verbrachte ich viel und gern im Garten, Baumhaus, Keller und Dachgeschoss einer befreundeten Familie, bevorzugt mit dem Sohn des Hauses, der mein langjährigster Freund ist und im übrigen auch sehr gerne Rad fährt.

(2) Meine Jugend verbrachte ich zwei Häuser weiter bei einer anderen Familie und deren drei Söhnen – hier öffnete sich für mich die Pforte zum oben besungenen Punk- und Grunge-Universum. Und als ich später Sänger und A-Gitarrist der Band OLD H war, probten wir – nach Konvikt und Fahrradkeller – außerdem (3) in einer alten Alpsrayer Melkstube auf dem Hof eines weiteren Freundes. Das klang in etwa so:





Hey, Alpsray-Freund*innen, ihr dürft euch jetzt alle mal angesprochen fühlen, auch die hier nicht direkt genannten, wenn ich sage: Danke für mindestens zwei Dutzend Handvoll bester und schönster Erlebnisse und Erinnerungen, die mich ganz entschieden geprägt haben.

Zweites Ziel: Asdonkshof und Haferbruch

Nach einer Runde über Hof und Dorf fahren wir am Hirschgehege entlang über den Flughafen in Richtung Asdonkshof. Hier gibt es einen großen ausgekiesten See (nicht der Haferbruchsee), der über geheime Trampelpfade zugänglich ist. Auf dem Weg dorthin klettern wir auf alten Sandhügeln herum und rutschen auf dem Hosenboden wieder runter. Es verirren sich nur selten Menschen an meine nahe gelegene Lieblingsstelle, weil sie den klassischen Strandurlauber*innen wenig bietet: keine gerade Liegefläche, kein Platz für nichts, Autobahngeräusche. Der ideale Rückzugsort. Okay, die Autobahngeräusche … ich hatte ehrlich gesagt mal in Erwägung gezogen, die gottverdammte Autobahn in einer Nacht- und Nebelaktion mit Cola-Mentos in die Luft zu jagen, aber der Wiederaufbau würde vermutlich a) erfolgen und b) noch mehr Lärm machen, also ließ ich es bleiben. (Und unterlasse es auch in Zukunft, Ehrenwort.)

Um meine sehr moderate kriminelle Energie zu befriedigen, machen wir einen Trampelpfadspaziergang. Die Route führt uns durch unwegsames Gelände, dessen legale Begehbarkeit nicht abschließend geklärt ist. Als geübte Naturkinder achten wir bei jedem Schritt darauf, keine Pflanzen zu zertreten, keine Bauten zuzuschütten oder Tiere aufzuscheuchen.

„Lustig“, sagt meine Begleiterin, als wir uns wieder auf die Räder schwingen, „den See wollte ich dir auch zeigen – nur von der anderen Seite“. Dort, auf der anderen Seite, lassen wir uns für eine Trink- und Kontemplationspause nieder und ruhen unsere Augen auf der Asozial-Ästhetik der natururbanen Hybridkulisse aus.

Drittes Ziel: Edeka-Bäckerei

„Weiße Brötchen. Ich ess’ wirklich nie weiße Brötchen. Weiße Brötchen sind für mich sowas wie, keine Ahnung, Festtagstorte, aber ich hab wirklich üüübel Lust auf weiße Brötchen.“
„Echt jetzt?“
Ich bin mir nicht sicher, ob sie ’nen Witz macht.
„Echt jetzt.“
Wir lachen.
„Edeka?“
„Edeka.“

Viertes Ziel: Die Momm

Mit Brötchen im Gepäck fahren wir durch die Innenstadt an ZUFF und Sportplatz vorbei Richtung Ossenberg, biegen vor der Solvay in die Werftstraße ein und gelangen so ins Rheinvorland nördlich der Schleuse, Großraum Momm. Wir erkunden die Gegend und finden die verlassenen Überreste eines Anglercamps. Es sind noch Fußspuren und Pfützen zu sehen, lange können sie nicht weg sein. Weil sich die Dunkelheit langsam breiter macht, suchen wir einen geschützten Platz zum Biwakieren – das ist in NRW außerhalb von Schutzgebieten für eine Nacht erlaubt –, essen Brötchen mit Gemüsepasteten, türkische Hausmannskost (Bulgur mit Auberginenallerlei), gucken in die Sterne und erfinden neue Sternzeichen.

Am nächsten morgen werden wir von Stimmen und Geklapper wach – das Anglercamp. Wir rappeln uns auf, packen zusammen und segnen das Räumliche, stolpern über Pfade und Weglein, die nur Einheimische kennen, und gelangen schließlich nach Borth. Bei sehr lieben Menschen kehren wir kurz ein, um die beiden Ks zu erledigen: Kaffee und Klo. Dann brechen wir auf, denn wenn wir heute keine Kilometer machen, wird’s peinlich.

Fünftes Ziel: Büderich, Kilometer 6,6

Leicht gerädert (haha) von der Nacht auf ziemlich unebenem Boden, rollen wir relativ schweigend den Rhein entlang in Richtung Wesel. Plötzlich steige ich voll in die Bremsen: „Haaaaaaalt, stopp, haaaaaaalt!“
„Was, wie, wo?“
„Hier! Der Kilometerstein …“
„?!“
„6,6! Wenn ich noch sechs Meter vorrolle“ – ich rolle sechs Meter vor – „dann ist das genau mein Wahlergebnis, 6,66 Prozent. Weißte?“ (Wahlergebnis? Siehe Blogbeitrag 1)

Ich bestehe auf ein Foto und versuche die fehlende 6 mit der Hand zu formen. Leider ungelenk und spiegelverkehrt, aber wenn Sie wissen, was gemeint ist, wissen Sie, was gemeint ist.

„Das da vorne ist übrigens ein Ausflugslokal. Eigentlich ein schönes Gebäude, vom Anbau mal abgesehen,“ sagt sie. Wir setzen uns auf die Mauer am Radwegrand, passen unsere Kleidung den steigenden Temperaturen an, trinken einen Schluck Kranwasser und radeln anschließend der Sonne davon.

Weiter in Teil 2 …

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Wie mein Stadtradelfahrrad mich gefunden hat

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Equipe: Die PARTEI Rheinberg
Commune: Rheinberg im Kreis Wesel

Ein Stadtradelblog soll auch einen philosophischen Mehrwert bieten. Darum, liebe Radler*innen, möchte ich Ihnen am Beispiel der verblüffenden Geschichte meines Stadtradelfahrrads gern erzählen, wieso es sich meiner Ansicht nach lohnt, nicht etwa hoffnungsvoll zu sein, sondern zuversichtlich.

Zweimal kein Lotto – Hoffnung vs. Zuversicht

Ich unterscheide aus pragmatischen Gründen zwischen Hoffnung und Zuversicht. Klar, es sind nur Worte. Aber ich sehe darin zwei Prinzipien, von denen mir eins das liebere ist. Plakativ gesagt:

A) Ich kann hoffen, dass mein Schicksal sich wendet. BEISPIEL – Wie man im Lotto gewinnt. Variante 1: Eine Bekannte meiner Oma ging jeden Samstag in den Lottoladen und fragte, ob sie denn gewonnen hätte. Irgendwann empfahl ihr der Lottoscheinverkäufer, doch erst einmal Lotto zu spielen. „Ach was“, sagte die ältere Dame, „wenn der liebe Gott will, gewinne ich auch so“. Die Frau konnte nur darauf hoffen, zu Geld zu kommen.

B) Ich kann zuversichtlich sein, dass ich mein Schicksal zu einem guten Teil selbst gestalten kann. BEISPIEL – Wie man im Lotto gewinnt. Variante 2: Mein Opa spielte jeden Samstag Lotto, gab aber den Schein nie ab, steckte das Geld für den Schein in eine Büchse und sparte sich so seinen ganz persönlichen Lottogewinn zusammen. Der liebe Gott musste nicht mehr nachhelfen – mein Opa war einfach ein Sparfuchs. Er konnte zuversichtlich sein, zu Geld zu kommen.

Zwischenfazit und kein Fahrrad

In Fall A) hoffe ich auf jemanden oder etwas außerhalb von mir – das kann ein Mensch sein, ein Arbeitsvertrag oder eine esoterische Entität.

In Fall B) vertraue ich auf etwas in mir – meine Stärken, meine Intuition, meine Gefühle, meine Fertigkeiten – meine Möglichkeiten, mein Leben zu gestalten.

Mir gefällt B) besser, weil ich lieber gestalte als zu warten, lieber erschaffe als zu konsumieren. Und so machte ich mir auch weder Sorgen noch Hoffnungen, als mir klar wurde, dass ich zwar Stadtradelstar werden würde, aber kein funktionierendes Fahrrad besaß.

Die verfluchten Pannen

Ich besitze zwei zusammengeschusterte Räder, die höchst wahrscheinlich verflucht sind. Seit dem Spätsommer 2019 nämlich ereilte beide eine Reihe von Pannen. Drei verschiedene Hobbyfahrradmechaniker konnten dem Spuk kein Ende setzen. Also dachte ich mir: Okay. Sparst du auf ein Neues. Dann kam Corona, und da ich mein Geld als selbstständiger Unternehmer im Text- und PR-Bereich verdien(t)e, war sparen nicht mehr drin.

Meine Mutter bot mir an, mir Geld für ein neues Fahrrad zu leihen. Ich lehnte dankend ab. Ich mag das Gefühl nicht, reflexartig und unter Druck handeln zu müssen, um vorauseilend irgendwelchen Normierungen gerecht zu werden. Mein Gefühl sagte mir außerdem: Du musst dir keine Sorgen machen. Du hast das Fahrrad bereits, du weißt es nur noch nicht. Der Verstand ist ja bekanntlich ein Idiot, also vertraute ich auf meine inneren Berater*innen und erklärte meiner Mutter, ich würde mich um das Problem kümmern, sobald ich Stadtradelstar wäre – und das war immerhin noch mehr als einen Tag hin.

Sie können wollen, aber wollen Sie auch können?

Am nächsten Abend hatte ich immer noch kein Fahrrad – und immer noch keine Sorge. Wissen Sie: In meinem Leben sind so viele Menschen und Variablen, und mit allen interagiere ich, an allen hinterlasse ich meine Spuren (und vice versa), allen gebe ich etwas und von allen bekomme ich etwas. Aber es sind so viele Menschen und Variablen, dass ich selten genau weiß, was ich bekommen werde und von wem. Es funktioniert aber. Es kommt.

Du bist ja jetzt Stadtradelstar, sagte sie

Diesmal kam es in Form einer jungen Radsportlerin, die ich aus anderen Zusammenhängen bis vor Kurzem nur flüchtig kannte. Und wie das so ist, wenn man sich im Leben zum dritten Mal trifft und schon die ein oder andere Nachricht ausgetauscht hat – schenkte sie mir … ein Fahrrad. Ha! „Du bist ja jetzt Stadtradelstar“, sagte sie, und auf meine ungläubige Nachfrage, ob sie mir das (wirklich schnieke) Teil wirklich schenken wollte, bekannte sie, rund 25 Fahrräder in ihrer Garage stehen zu haben; sie sei Sammlerin und verschenke gerne.

Zum Glück keine Kontrolle

Manche*r würde das nun als göttliche Fügung oder Schicksal interpretieren. Ich respektiere, wenn jemand so denkt. Aber wenn Sie mich fragen, dann ernten Sie ein verschmitztes Lächeln, weil ich mich freue, dass der Radweg meines Lebens zwar selten glatt geteert ist, es aber mein Weg ist – und trotz aller Unwägbarkeiten und karmischen* Zusammenhänge ist es mein Herz, das den Rhythmus zu dieser Reise pumpt, meine Zunge, die die Lieder singt, mein Bauch, der die Tücher fühlt und mein Bein, das die Pedale tritt. Ich will nicht behaupten, irgendeine Art von Kontrolle zu haben – aber ich glaube, dass Menschen Schöpfer sind und jeder Mensch ein großer Faktor ist in der Gleichung seiner Wirklichkeit. Ach. Ich könnte jetzt ausschweifen. Aber wissen Sie was: Fahren Sie lieber ne Runde Fahrrad.

Alles Gute!

Und, ach ja, ich lade Sie ein: Werden und bleiben Sie sich treu, dann wirken Sie zwar vielleicht öfter wie ein*e Trottel*in, aber es wird leichter werden, mit dem Leben zu rollen statt gegen es anzustrampeln.


Sternchen: Karma? Jetzt denken Sie vielleicht, ich sei ein esoterischer Buddhist. Dem ist nicht so. Karma bedeutet „Wirken“ oder „Tat“ – jede Handlung ist Karma. Und karmische Verstrickungen? Damit meine ich die endlosen Wechselwirkungen zwischen den Handlungen, die ja alle Folgen haben und auch Produkte vorangegangener Handlungen sind; geistig wie physisch.

Bild: Kathleen Bergmann / Pixabay

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Ich und das Fahrrad – eine Liebesgeschichte in zwei Achsen

Image Ecrit le 18.09.2020 de Renan Cengiz
Equipe: Die PARTEI Rheinberg
Commune: Rheinberg im Kreis Wesel

Vorwort

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man nicht vermischen. Zum Beispiel Parteipolitik und Initiativen wie das Stadtradeln. Da Sie aber meinen Namen kennen und Fragen haben, werde ich einmal kurz die Grenze übertreten und Ihnen offenbaren: Ja, ich bin neulich als Bürgermeisterkandidat angetreten. Ich erhielt 6,66 Prozent der Stimmen – das entspricht genau der Oberrohrlänge meines Fahrradrahmens in Dezimetern, also wurde ich Stadtradelstar. Jetzt wissen Sie Bescheid.

Ich und das Fahrrad – eine Liebesgeschichte in zwei Achsen

(Ignorieren wir den Fakt, dass Liebesgeschichten in der Regel mindestens drei Akte haben, würdigen den Wortwitz und beginnen von vorn.)

Achse 1: Erste zarte Küsse

Am Anfang war es holprig. Wie immer bei großen Liebesgeschichten traute ich mich erst nicht ganz. Ich war ein vorsichtiges Kind, denn man weiß ja nie … Aufgrund dieser berechtigten Einwände brauchte es einiges an Zeit und Zuspruch, bis ich ohne Stützräder und Hand im Rücken fuhr. Bei meiner ersten selbstständigen Fahrt glaubte ich eine Hand im Rücken zu wissen – und keine Sekunde nachdem ich begriffen hatte, dass ich ganz alleine strampelte, wickelte ich mich um die nächste Laterne. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Ich habe nicht viele Menschen angefahren. Höchstens zwei. Und das auch wirklich nur wegen einer uneinsichtigen Vorfahrtsituation am Friedhofstor Annastraße im Sommer 1997 – an das andere Mal kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Es gab keine Verletzten. Zu meiner Amplonius-Zeit fuhr ich jeden Schultag vom Annaberg (wo ich wohne) zum Gymnasium und zurück, zum Budo/Taekwondo im ZUFF, zum Proben nach Alpsray, zum Schwimmen an sommerlich wechselnde Dorfseen, zum Feiern ins Aratta und so weiter. Wer hier mit Fahrrad aufgewachsen ist, weiß, was ich meine.

Mit 18 begann ich den Führerschein zu machen. Warum? Weil man das so macht. Ich wusste damals noch nicht, dass man nicht machen muss, was man so macht, und ergab mich meinem Schicksal. Leider stellte ich nach einer Weile fest, dass ich lieber etwas anderes mit meiner Zeit anstellen wollte und brach ab. Ich glaube, mir wurde damals erstmals langsam klar: Es läuft so vieles falsch in der Welt – nur weil eine Sache normal geworden ist, heißt das noch nicht, dass sie gut ist. Ich hörte also auf, den Führerschein zu machen, schrieb stattdessen Lieder und Gedichte und fuhr Fahrrad.

(Ich bin übrigens der junge Mann gewesen, den Sie eventuell vor einigen Sommern in Rheinberg gitarrespielend radfahren haben sehen. Gleichzeitig Rad zu fahren und Gitarre zu spielen ist ein Kunststück, und es ist nicht ungefährlich. Darum, liebe*r leichtsinnige*r Jungendliche*r: Bitte nicht nachmachen, wenn du dir nicht aufgrund jahrelanger Erfahrung mit Freihandfahrt und Instrument zu 95 Prozent sicher bist, dass es klappt. Was? Du bist dir zu 100 Prozent sicher? Dann tu es nicht! Du überschätzt dich. Es ist gefährlich, also verhalte dich vernünftig und professionell, sonst krieg ich nämlich am Ende Ärger, und vor allem: die Gitarre ist kaputt.)

Achse 2: Der andere Kram

Nach dem Abitur fuhr ich zunächst viel Bus und Zug: Erst per InterRail durch Europa (wichtigste Lektion dieses Selbstfindungstrips: Egal wohin du fährst, du nimmst dich selber mit), dann in Wuppertal und Bochum, wo ich erfolgreich zwei Hochschulstudien abbrach (Gründe: siehe Führerschein). In Bochum wohnte ich nahe der Ruhr-Uni und liebte es, morgens über den vollen Campus zu radeln. Da ich immer spät dran war (mit Absicht), fühlte sich die Fahrt für mich so an, als würde ich mit halber Lichtgeschwindigkeit durch ein Asteroidenfeld ballern – ausweichen, Kurven kratzen, Treppenstufen überspringen … was soll ich sagen. Ich war jung und hatte keine Freundin.

Nach einer guten Handvoll Jahre landete ich wieder in Rheinberg. Seitdem ist mehr passiert als in einem äußerst spannenden Buch Platz hätte, doch ist bei allen Höhen und Tiefen eine Konstante beharrlich geblieben: das Radfahren. Ich war zwar nie Sportradler und auch in keinem Fahrradclub, aber das Rad ist für mich das sinnvollste, schöngeistigste, praktischste und vorzugsvollste aller Verkehrsmittel. In diesem Blog erzähle ich Ihnen, was mir in meiner Zeit als Radelstar der Stadt Rheinberg vor die Reifen und in die Sinne kommt, um diese These weiter zu untermauern.

Ich freue mich, wenn Sie gelegentlich vorbeirollen.

Bild: Ich und mein Fahrrad, kurz vor Abfahrt zum Moerser Jazz-Festival im Jahr 2003.

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