STADTRADELN-Star Blog: Erfurt


Der Kreis schließt sich

Image Ecrit le 01.10.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Ich habe ja schon am Anfang über sich widersprechende Signale der Stadtverwaltung zu Verkehrswende und Radverkehrsförderung berichtet. Nun will ich mit einem weiteren unrühmlichen Beispiel enden.
Das Foto rechts zeigt ein relativ frisch aufgestelltes Zeichen 254 "Verbot für Radfahrer" an der Binderslebener Landstraße stadtauswärts. Die Begründung der Stadtverwaltung scheint zunächst logisch zu sein. Sie beruft sich darauf, dass die Räumzeit der Lichtsignalanlage (LSA, im Volksmund "Ampel") zu kurz sei, um einem Fahrradfahrer das sichere Queren der Kreuzung zu ermöglichen. Dazu zwei Fakten:
1) Es gibt bei Ampeln keinen Level of Service für andere Verkehrsteilnehmer als den KFZ-Verkehr - so die Aussage einer Stadtplanerin beim Workshop "Geisterradeln".
2) Es reicht völlig, mit gut 13 Km/h - also echt langsam - über die Kreuzung zu fahren, um an der anderen Seite zu sein, bevor der Querverkehr Grün bekommt. Das haben wir vom ADFC gemessen.

Die Wahrheit indes ist eine andere, und dazu muss man ein paar Dinge wissen.
1) Autofahrer interessieren sich nicht für die lustigen, aber ansonsten bedeutungslosen weißen Linien auf der Fahrbahn.
2) Die meisten Autofahrer ertragen es nicht, auch nur 10 m hinter einem Fahrrad herzufahren. Und das selbst dann nicht, wenn das Fahrrad bereits so schnell fährt, dass sie gar nicht schneller fahren dürfen.
3) Die Ampel ist eigentlich Dauer-Grün und schaltet nur aus drei Gründen auf Rot:
a) Ein Fahrzeug nähert sich aus Richtung Friedhofsparkplatz oder Überm Born, um in die Kreuzung einzufahren.
b) Ein Fußgänger oder Radfahrer fordert an der Bettelampel per Knopfdruck Grün an.
c) Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Ein Fahrzeug will von der Binderslebener Landstraße links abbiegen und befährt dazu die entsprechende Linksabbiegerspur. Dabei löst es einen Kontakt aus, der die Ampel in der Gegenrichtung auf Rot schaltet.

Wenn nun aber in dem Bereich hinter dem Zeichen 254 ein Radfahrer unterwegs ist, scheren die Autofahrer nach links aus, brettern ebenfalls über die Kontaktschleife und lösen für die Gegenrichtung Rot aus, obwohl sie gar nicht abbiegen wollen. Und wenn sie dann nicht rechtzeitig wieder einscheren, lösen sie sogar in Gegenrichtung noch den Impuls aus und schalten damit die Ampel hinter sich auf Rot.
Um nun den KFZ-Verkehr von den Konsequenzen dieses Fehlverhaltens zu entlasten, sollen Fahrradfahrer nach rechts in den Seitenarm abgedrängt werden, die Bettelampel benutzen und nach Möglichkeit in den verkehrsberuhigten Bereich auf der Gegenseite fahren - nur um nach 640 m erneut vor einer Bettelampel zu stehen. Ziel ist also, die Fahrradfahrenden dem KFZ-Verkehr aus dem Weg zu räumen.
Nun mag die Einstellung an der Spitze der Stadtverwaltung eher rückwärtsgewandt und autoaffin sein, aber dumm sind die Leute natürlich nicht. Also haben sie sich das Märchen ganz oben ausgedacht, denn mit der Wahrheit dürften sie logischerweise nicht um die Ecke kommen.
Nota bene: Ich durfte heute schon zum zweiten Mal beobachten, dass sich Fahrradfahrer nicht um das Zeichen kümmern. Und das ist nachvollziehbar, habe ich doch im Geisterradeln-Workshop gelernt, dass schlechte und fehlerhafte Radinfrastruktur der wichtigste Faktor ist, der bei Radfahrenden StVO-widriges Verhalten induziert. Wäre das nicht mal ein Faktum zum Nachdenken?

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Rückfahrt von Nordhausen

Image Ecrit le 01.10.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Nach der Landesversammlung war für Sonntag eine Radtour für die Unentwegten angesetzt. Ursprünglicher Plan war, von Nordhausen nach Artern zu fahren und von dort die Züge in die jeweilige Heimatstadt zu nehmen. In dem Zusammenhang kann ich gut nochmal darauf hinweisen, dass die Mitnahme in Zügen des Nahververkehrs in Thüringen kostenfrei ist. Das gibt Menschen, die ihrer Leistungsfähigkeit nicht so ganz vertrauen, ein Sicherheitsnetz, dass sie in jedem Fall noch irgendwie nach Hause zurückkommen.
Jedenfalls haben wir uns dann auf der Fahrt umentschieden, nachdem wir die Talsperre Kelbra besucht hatten. Artern erschien uns doch zu nah, um eine Herausforderung zu sein. Und so nahmen wir den ersten Abzweig Richtung Bad Frankenhausen. Die Gruppe bestand zu dem Zeitpunkt aus Radfahrenden aus Suhl, Jena und Erfurt und löste sich nach und nach auf.
Nachdem sich die Jenaer von uns getrennt hatten, machten die Suhler und die Erfurter in Oldisleben noch einen Abstecher zur Goethe-Schokoladenmanunfaktur auf Kaffee und Kuchen. Da das Wetter frisch aber nicht kalt war, konnten wir sogar draußen sitzen.
Dann ging es gemeinsam weiter über Heldrungen und Sömmerda, wo uns die Suhler verließen. Am Ende fuhren wir noch zu dritt Richtung Erfurt. Da wir Flusstalradwege nutzen konnten, war das Höhenprofil schon mal kein Problem. Und so erreichten wir nach rund 93 Km schließlich Erfurt.
Für mich lag das an der Grenze des Machbaren. Wäre ich allein gefahren, hätte ich wohl mehr Pausen eingelegt und wäre wahrscheinlich langsamer gefahren. Allerdings konnte ich viel im Windschatten fahren, so dass ich zwar erschöpft, aber nicht völlig fertig war.

Übrigens, Klugscheißerwissen zum Windschattenfahren. In einer Gruppe, deren Mitglieder im Windschatten hintereinanderfahren, profitieren alle. Am schwächsten mit nur 10% Kraftersparnis natürlich der Erste, denn er kämpft ja gegen den größten Teil des Luftwiderstands. Allerdings profitiert er davon, dass sich hinter ihm weniger Wirbel bilden, da ja dort schon der nächste fährt.
Je länger die Gruppe ist, desto glatter liegt der Luftstrom an. Dennoch profitiert nicht das letze, sondern das vorletzte Mitglied am meisten, denn der letzte kämpft wieder gegen die Luftverwirbelungen in seinem Rücken.
Wichtig dabei ist, dass man sehr dicht hintereinander fährt. Das geht nur, wenn die Strecke übersichtlich und störungsfrei ist und bei auftauchenden Hindernissen klar kommuniziert wird. Die Flusstalradwege sind da sehr gut geeignet, solange sie nicht zu voll sind. Denn leider sind sie ein bisschen schmal geraten und werden natürlich auch von Spaziergängern, Joggern und Wanderern genutzt.

Das letzte Bild zeigt übrigens zweierlei. Einmal, wie in der Gegend Poller angekündigt werden, damit Radfahrende, besonders bei Gruppenfahrten, nicht dagegen fahren. Das würde ich mir überall so wünschen. Sehr vorbildlich!
Und die Poller selbst zeigen - sozusagen exemplarisch - das realistische Ausmaß an Vertrauen der Straßenverkehrsbehörden in die Regeltreue von Autofahrenden.

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Woche 3

Image Ecrit le 30.09.2020 de Christopher Kutzner
Equipe: Mehrwertstadt Erfurt
Commune: Erfurt

Die letzte Woche und somit auch die letzten Kilometer beim Erfurter Stadtradeln 2020 sind fast vorbei und waren mehr als atemberaubend!

Letzte Woche habe ich meinen Blogeintrag noch in Belgrad verfasst und heute schon von meinem Reiseziel aus. Die Anstrengungen, die Schmerzen, die Impressionen und die Emotionen waren hoch und konnten kaum übertroffen werden, aber am Ende hat es sich sehr gelohnt und man ist schon etwas traurig, dass es jetzt schon vorbei ist.

Die letzten Kilometer in Serbien haben mich so sehr in das Land und deren Menschen verlieben lassen, wie es auf der ganzen Tour kein anderes geschafft hat. Sprachbarrieren gibt es nicht, sie sind nur ein deinem Kopf, denn egal ob du eine andere Sprache kannst oder jemand anderes deine Sprache nicht spricht, man versteht sich. So hat es geklappt, dass ein Glaser mein Fahrrad repariert hat, mir bei heftigsten Knieschmerzen Eis gebracht wurde, an einem geschlossenem Grenzübergang eine Cola spendiert wurde, ein Zimmer bekommen habe, ohne das nötige Bargeld dabei zu haben und so unglaublich viele schöne Dinge passieren während einer Fahrradtour. Klar hatte ich Angst vor Tourbeginn, denn immerhin fährt man doch durch "super gefährliche Länder", wo man an jeder Ecke beklaut werden kann und jetzt kann ich nur darüber lachen und muss an diese deutsche Überheblichkeit denken. Wir haben so viel verlernt und vergessen, worauf es wirklich ankommt im Leben und was einen Menschen menschlich macht. Es ist nicht das Geld, sondern die guten Taten, die uns ausmachen. Während der Tour habe ich gelernt wie wichtig es ist ein stabiles Karma aufrecht zu erhalten, machst du etwas gutes, bekommst du auch viel gutes zurück. Ja dieses Stadtradeln hat mich verändert und es wird mich noch Jahre nachhaltig begleiten. Dafür muss ich mich einfach bedanken, bei jeder Person, die diese Tour möglich gemacht hat.

Jetzt noch ein paar Impresionen von der Tour. Entlang der serbisch-rumänischen Grenze ging sehr oft bergauf und damit verbunden auch wieder sehr oft bergab. Die Fahrt gestaltete sich durch malerische Steilhänge mit der Donau genau in der Mitte und dunkeln, schwarzen Löchern in Felswänden die es zu durchfahren bedurfte. Ja Tunnel wäre an der Stelle das falsche Wort, denn Tunnel sind für mich beleuchtet und nicht einfach nur in den Stein gehauene Löcher.

Das rumänische Zugpersonal ist mindestens genauso unfreundlich wie das der Deutschen Bahn, also fühlt man sich fast wie zuhause, auch was die Abfahrts- und Ankuftszeiten angeht.

Bukarest ist eine Perle einer Metropole und hierhin möchte ich gern noch einmal zurückkehren, um mir alles genauer anzuschauen. Die Landschaft gehend Osten ist sehr flach und hat eine steppenartige Ausprägung. Viel flach bedeutet bei guten Windverhältnissen, sehr schnelle Abschnitte und so war es auch. Zwischen Bukarest und Calarasi (124km) konnte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 28km/h erzielen. Ich habe viel gelernt, dass Rumänien mehr Gemeinsamkeiten mit Italien hat, als mit einem russisch geprägtem Bild, was wohl sehr an der römischen Besetzung liegt und heute noch sehr in der Sprache verankert ist. Der Balkan hat seit Mitte der 90er eine sehr westlich geprägte Veränderung erlebt, aber von der Mentalität sollten wir uns wieder einiges abschauen.

Heute ist der letzte Tag und ich sitze an dem Beitrag mit dicken Tränen in den Augen, da ich am Ende meiner Reise angekommen bin und es immer noch nicht fassen kann, dass ich 2330km entlang der Donau zum Schwarzen Meer gefahren bin und mir so viel mitnehmen durfte. Danke Stadtradeln für diese Möglichkeit und danke an euch, die ihr meine Blogs gelesen habt.

Ich sag schonmal bis nächstes Jahr zum nächsten Abenteuer!

P.S.: Wer gern detaillierte Etappenberichte lesen möchte, der kann gern auf Instagram unter do_it_nau weiterlesen

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ADFC Landesversammlung in Nordhausen

Ecrit le 30.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Am Samstag hatte der ADFC Thüringen seine Landesversammlung in Nordhausen. Wie schon im Beitrag vom 25.09. geschrieben, habe ich die Möglichkeit genutzt, schon am Freitag anzureisen und tatsächlich bis Sonntag zu bleiben. Das schafft Raum für gemeinsames Erleben und natürlich viele Gespräche.
Die Landesversammlung selbst lief wie üblich recht harmonisch. Der Vorstand musste neu gewählt werden, und um den Vorsitz gab es diesmal sogar das, was man gewöhnlich eine "Kampfkandidatur" nennt - was auch immer der Wortschöpfer mit dieser Bezeichnung sagen wollte. Denn der Begriff "Wahl" beinhaltete ja eigentlich, dass man zwischen Alternativen wählen kann und sollte daher ausreichen.
Jedenfalls konnte ich mich nicht gegen den längjährigen Vorsitzenden, der zwei Jahre pausiert hatte, Dr. Friedrich Franke, durchsetzen. Das macht allerdings nichts, denn natürlich ist der neue Vorsitzende eine exzellente Wahl, und weder mein Herz noch mein Engagement hängen an einem Titel. Außerdem arbeiten wir ohne große Reibungsverluste zusammen.
Dass wir nicht immer einer Meinung sind ist logisch und eher gut, denn wie Winston Churchill so schön sagte: „Wenn zwei Menschen immer die gleiche Ansicht haben, ist einer davon überflüssig.“ Also habe ich mich ohne jeden Groll zu einem von zwei Stellvertretern wählen lassen.
Zum Glück ist das mittlerweile keine reine Alt-Herrern-Veranstaltung mehr. Die wunderbare Frieda Nagler aus Jena hat sich ebenfalls zur Stellvertreterin wählen lassen, und sie ist keine dreißig. Vielleicht ist das der erste Schritt, die Führung des Landesverbands jünger und weiblicher werden zu lassen. Die alten Hasen sind dann ja nicht weg und können als Beisitzer im Vorstand immer noch ihre Erfahrungen einbringen, wo es nötig ist. Aber es wird Zeit, den Staffelstab weiterzureichen. Zum Glück hatten wir einige sehr engagierte und kompetente junge Menschen unter den Delegierten. Da ist bestimmt noch einiges zu erwarten.
Ich jedenfalls freue mich schon auf unsere konstituierende Sitzung Anfang November.

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Fridays for Future Demo am Freitag

Ecrit le 27.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

In der Tat habe ich mich am Freitag doch entschieden, an der Demo von Fridays for Future teilzunehmen und nicht mit dem Fahrrad nach Nordhausen zur ADFC-Landesversammlung zu fahren, sondern den Zug zu nehmen.
Denn Fridays for Future kann wirklich jede Unterstützung gebrauchen. Schließlich versuchen sie nichts Geringeres, als den Planten für zukünftige Generationen zu retten. Und da ich nun mal zu einer der Generationen gehöre, die es wider besseren Wissens verrissen hat, kann ich jetzt nicht beiseite stehen.
Und ja, es hat sich wirklich gelohnt. Interessant vor allem die Reaktion der Autofahrer, als wir mit ungefähr 600 Menschen auf dem Schmidtstedter Knoten - eine Monstrosität, die es in Städten gar nicht geben dürfte - unsere Kundgebung abhielten. Denn wir haben den Autofahrern kaum 20 Minuten an einer einzigen Stelle ihre überbordenden Privilegien entzogen, und sie verloren komplett die Contenance. Dabei gab es allerdings einen außerordentlich erheiternden Moment, als wir von der Demo-Leitung aufgefordert wurden: "Jetzt werden wir gemeinsam laut!" und wie auf Kommando ein Hupkonzert einsetzte. Danke für die große Zustimmung, dieser Zuspruch war überwältigend!
Leider konnte ich dann an der anschließenden Critical Mass nicht teilnehmen, denn es wurde Zeit, mich auf den Weg nach Nordhausen zu machen. Mein Fahrrad brachte mich zum Bahnhof, wo ich liebe FreundInnen traf (einige hatte ich bedauerlich lange nicht mehr gesehen), um ganz entspannt mit dem Zug ans Ziel zu kommen - wo uns unsere Fahrräder schnell und bequem zur Jugendherberge brachten. Die Rothleimmühle, ein umgebautes historisches Gebäude mit angeschlossenem, neu errichteten Gästehaus. Barrierefrei und sehr zu empfehlen, mit netten Menschen, die es uns mit großem Engagment und einem durchdachten Hygienekonzept möglich gemacht haben, die Landesversammlung des ADFCs Thüringen als Präsenzveranstaltung abzuhalten.

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Bin ich ein Märtyrer?

Ecrit le 25.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Tja, während ich hier noch so sitze und warte, dass der Klimastreik anfängt, gehen mir so einige Gedanken durch den Kopf. Bin ich ein Märtyrer, weil ich praktisch meine gesamte Mobilität auf dem Fahrrad (mit etwas Unterstützung des öffentlichen Personentransports) aufgebaut habe? Fahre ich Fahrrad, um das Klima zu schützen?
Nein, natürlich nicht! Die Nummer mit dem Klimaschutz ist ein angenehmer Seiteneffekt, der das gute Gefühl noch etwas verbessert. Aber der eigentlichen Gründe sind zwei: Ärger und Entsetzen.
Zunächst der Ärger: Der schwappte in mir hoch, als ich feststellen musste, dass der Preis für mein Abo-Ticket in zehn Jahren um 50% hochgegangen war. 50%! Alter!
Und das deckte sich dann mit der Erkenntnis, die auch das Statistische Bundesamt mittlerweile veröffentlicht hat: In der Tat ist Autofahren zwischen 2000 und 2018 rund 36% teurer geworden, der öffentiche Personentransport jedoch um durchschnittlich 87%. Oder, mit anderen Worten, wir setzen einfach die falschen Signale.
Jedenfalls war der Ärger groß genug, nach einer Alternative zu suchen, und die war natürlich nicht im Auto zu finden. Da hätte ich ja den Teufel mit Belzebub ausgetrieben, denn unabhängig von der Preissteigerung ist Autofahren natürlich immer noch die teuerste Art, unbequem zu reisen - wenn man vom Segeln mal absieht.
Ja, und das zweite war das, was ich gewöhnlich als Motivation durch Entsetzen bezeichne. Ich hatte bereits einen Prä-Diabetes und musste Tabletten schlucken, und meinem Herz-Kreislauf-System ging es auch nur noch so lala.
Nun gebe ich mich keinen Illusionen hin, Entsetzen hin oder her. Ich habe keinesfalls die Disziplin, regelmäßig Sport in der Freizeit zu machen. Zumal nicht im Winter, nach der ersten Tasse Kaffee auf der Couch. Ich musste also meinen Sport in den Alltag einbauen, anders würde es nicht gehen.
Naja, und das habe ich dann auch gemacht. Fahrrad fahren hieß, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Extrem preisgünstige Mobilität und täglich Sport. Gegen "schlechtes Wetter" gibt es passende Kleidung - wobei ich mich schon gefragt habe, wieso ich eigentlich Regenklamotten gekauft habe. So selten, wie ich die wirklich brauche.
Und wenn ich so zurückdenke, dann hätte ich wohl mit dem Fahrrad fahren früher anfangen sollen. Das hätte mir einiges erspart. Aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, morgens hügelan zur Arbeit zu fahren, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Bedauerlicher Mangel an Fantasie. Da half am Ende nur ausprobieren.

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Tipp aus der Praxis - Lebensmitteltransport

Image Ecrit le 25.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Ich hatte ja schon mehrfach geschrieben, dass ich immer mal wieder zum Schafskäsehof im Ziegenried fahre, um Käse einzukaufen. Da stellt sich natürlich die Frage, wie bekomme ich wärmeempfindliche Lebensmittel heile nach Hause, wenn zwischen Einkauf und Rückkunft locker bis zu zwei Stunden liegen können?
Nun, letzten Endes ist das leicht. Der ganze Outdoor-Boom hat dazu geführt, dass es mittlerweile haufenweise nützliche Ausrüstung für praktisch alle Aufgaben gibt. Und so gibt es auch kleinere Thermotaschen, die tatsächlich in eine Gepäckträgertasche passen. Dann packe ich zwei Kühlakkus aus der Tiefkühlung dazu und los geht's.
Und man glaubt es kaum, aber trotz Hin- und Rückfahrt und damit über vier bis fünf Stunden - ich will ja auch immer noch ein leckeres Schafsmilcheis essen - sind die Kühlakkus bei der Ankunft zu Hause noch immer nicht vollständig aufgetaut. Und damit sind auch die Lebensmittel immer noch frisch und haben nicht gelitten.
Das Foto rechts zeigt die Thermotasche gefüllt mit rund 1,5 Kg Käse und einem Döschen Frischkäse, während ich mir eine Lammbolognese gönne.

Das Prinzip verwende ich natürlich auch beim Einkauf im Verbrauchermarkt auf der grünen Wiese. Denn zum Beispiel frischen Fisch bei über dreißig Grad und heftiger Sonneneinstrahlung heil nach Hause zu bringen, ist auch über weniger als dreißig Minuten eine Herausforderung. Ohne Kühlung wäre mir das zu riskant.
Übrigens passen bis zu drei Tüten tiefgekühlter Beeren oder gefrorenen Gemüses in die kleine Tasche, aber natürlich keine Pizza. Irgendwas ist halt immer.
Ein weiterer Nachteil ist, dass man den Einkauf vorher planen muss, will man die Thermotasche nicht auf Verdacht mitnehmen. Aber wie so Vieles im Leben ist auch das letzten Endes eine Frage der Gewohnheit.

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ADFC Landesversammlung in Nordhausen dieses Wochenende

Ecrit le 25.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Jezt bin ich hin- und hergerissen. Eigentlich wollte ich heute mit dem Fahrrad nach Nordhausen fahren. Keine große Sache, rund 85 Km, und der Samstag wird definitiv sehr ruhig.
Allerdings ist mein Schauff Sumo außer Gefecht. Das Gehäuse der Schaltnabe ist schwer beschädigt, das Hinterrad deshalb zum Hersteller eingeschickt, um es auszutauschen und sie gleich neu einzuspeichen. Ich muss also eine meiner Möhren nehmen, und weil das Pedelec eigentlich zu schwer ist - was bekanntlich die Zuladung reduziert - und mein zweites Pedelec, das ich grad zum mBike (muskelgetriebenen Fahrrad) umbaue, eine krumme Tretkurbel hat, musste ich ein Fahrrad reaktivieren, das ich eigentlich schon komplett stillgelegt hatte. Im Englischen gibt es dazu einen schönen Begriff: to scrape the barrel, das Fass auskratzen.
Dazu kommt, dass heute FFF zum globalen Klimastreik aufgerufen hat. Natürlich kann ich nicht die volle Zeit dort verbringen, aber zumindest beim Auftakt sollte ich doch irgendwie dabei sein. Schließlich liegt mir das Anliegen seit vielen Jahren schon am Herzen, und endlich kümmert sich nun mal jemand drum. Da mag ich eigentlich nicht abseits stehen.
Die Entscheidung jedenfalls ist noch nicht gefallen, aber sie muss innerhalb der nächsten Stunden getroffen werden, denn sonst wird die Zeit für die Fahrt zu knapp.
Wir werden sehen!

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Die zweite Woche

Image Ecrit le 24.09.2020 de Christopher Kutzner
Equipe: Mehrwertstadt Erfurt
Commune: Erfurt

In der zweiten Woche des Stadtradelns oder auch genannt die "Ungarn-umfahrung" habe ich für 4.5 Tage die Donau verlassen, um sie bei Erdut wieder zu erreichen. Was ist alles passiert? Bis jetzt bin ich über drei Landesgrenzen gefahren (Österreich nach Slovenien, Slovenien nach Kroatien und Kroatien nach Serbien), es gibt Außerorts keine Radwege mehr, LKWs versuchten mich von der Straße abzudrängen, durch super feinen Sand versucht zu fahren, 3h am Stück durch Maisfelder gefahren, auf einer Apfelplantage orientierungslos ohne GPS Signal rumgestanden,....

Was eben alles so ein Abenteuer ausmacht und es macht mich nicht müde! Klar zerrt der konstante Gegenwind an einem, doch aufhalten kann mich gerade niemand. Wirklich niemand? Doch leider mein Knie. Aktuell kämpfe ich mit starken Kniebeschwerden, die aus meinem Wachstumsalter stammen und ich die letzten Jahre eher keine Probleme damit hatte. Leider haben sie mich wieder eingeholt und ich musste für zwei Tage eine kleine Ruhepause einlegen. Mal schauen wie es heute weitergeht.

In Serbien sind die Menschen so unglaublich freundlich und hilfsbereit, was richtig schön zu erfahren ist. Sie reden mit dir in ihrer Landessprache und wenn du ihnen auf Englisch antwortest, reden sie zwar weiter in ihrer Sprache, da sie wahrscheinlich kein Englisch können, aber sie nehmen Hände und Füße zur Kommunikation dazu und versuchen dir mit einem breiten Lächeln zu erklären wo du hin musst oder wie man dieses Gebäck richtig ausspricht. Gefällt mir sehr gut und man fängt auch automatisch an zu lächeln und nimmt Gestiken hinzu um zu verstehen zu geben, dass man es verstanden hat.

Reisetipp: Persönlich würde ich bei einer Balkanreise Serbien vor Kroatien bevorzugen, allein landschaftlich und von der Mentalität. Man ist zwar hier mit seinem EU-Datenroaming Paket völlig aufgeschmissen, aber man findet sehr viele Hotspots um kostenfrei ein WiFi Netzwerk zu benutzen. In den Städten Novi Sad (ungefähr so die Größe von Erfurt) und Belgrade gibt es viel zu entdecken und zu bestaunen. Hinzu kommt, dass die Radnetze in beiden Städten so unfassbar gut ausgebaut sind, wovon sich da einige Städte noch etwas abschauen könnten.

Also dann auf in die letzte Woche und auf für die Räder für mehr Bäume.

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Kiddical Mass am Sonntag

Ecrit le 21.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Gestern war Kiddical Mass in Erfurt. Und natürlich war ich als Ordner und Korker mit dabei. Und es war wirklich ein schönes Erlebnis, mit rund 140 Teilnehmern, darunter ganz viele sogar noch sehr kleine Kinder auf Fahrrädern durch Erfurt zu fahren.
Die Strecke war natürlich kürzer als die übliche Critical-Mass-Strecke, nur rund sieben Km, was aber für Kinder auf ihren teils winzigen Rädern dennoch eine große Leistung ist.
Und sie waren mit Feuereifer und Freude dabei. Denn natürlich erkennen sie sehr schnell, dass ein Fahrrad ihren Aktionsradius erheblich erweitert, dass man viel bequemer und schneller unterwegs ist als zu Fuß. Kinder sind halt klein, aber nicht doof!
Überhaupt ist es toll, Kindern Dinge zu zeigen, die sie anschließend selbst machen können, denn Freude am Lernen ist ihnen eigentlich in die Wiege gelegt. So hatten selbst kleine Kinder keine Probleme, vor dem Start Luftballons mit Helium zu füllen, nachdem ihnen einmal gezeigt wurde, wie es geht.
Und so diente die Veranstaltung dazu, auch auf die Belange der kleinsten und schwächsten Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen und zu fordern, ihnen sichere Wege - vor allem auch Schulwege - bereitzustellen. Denn obwohl Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auf Gehwegen fahren müssen (und bis zum vollendeten zehnten Jahr dürfen), bringt das noch keine Sicherheit. Denn die wenigsten Kinder wohnen in der Straße, in der auch ihre Schule liegt - womöglich noch auf der richtigen Straßenseite. Sie kommen also so oder so mit dem KFZ-Verkehr in Berührung, und die sollte nicht mit einem Unfall enden.
Leider fehlt vielen Erwachsenen die Fähigkeit zur Empathie und zum Perspektivwechsel, und so sehen unsere Städte - und da macht Erfurt keine Ausnahme - auch aus.

Natürlich durfte die übliche Diskussion mit eher rücksichtslos aufgestellten Autofahrerinnen (diesmal ganz ohne Gendersternchen) nicht fehlen. Denn obwohl es ganz klar verboten und angesichts der Zusammensetzung des Zuges auch äußerst gefährlich, rücksichtslos und schwachsinnig war, wollten zwei junge Frauen mit ihrem Ressourcenvernichter in den geschlossenen Verband fahren. Zum Glück haben sie sich durch meine energische Ansprache noch bremsen lassen. Auch zu ihrem Glück, denn ich glaube, in dem Fall wären die mitfahrenden Polizistinnen alles andere als nachsichtig gewesen.

Alles in Allem war es eine sehr gelungene Veranstaltung zum Kindertag, die allen Teilnehmenden viel Spaß gemacht hat. Und vielleicht sollten wir das öfter machen, schon um auf die Mobilitäts-Belange der Kinder stärker aufmerksam zu machen. Ich bin jedenfalls gern wieder dabei.

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Die neue Möhre mal auf einer längeren Strecke

Ecrit le 20.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Bin gestern mit der neuen Möhre testweise ins Freilichtmuseum gefahren. Wer glaubt, das wäre mit einem Pedelec ein Klacks, irrt allerdings. Denn es muss natürlich einiges an Gewicht die Hügel hochwuchten, und das kann es nur begrenzt. Dazu kommt, dass man die eingestellte Abschaltgeschwindigkeit nicht zu deutlich unterschreiten sollte. Denn die Elektronik versucht unverdrossen, den Motor dazu zu bringen, diese Abschaltgeschwindigkeit zu erreichen. Wenn der Motor das aber nicht schafft, wird alles an Strom, was nicht in Vortrieb umgewandelt wird, zu Wärme. Ist nicht nur nicht effizient, sondern kann den Motor überhitzen und letztlich himmeln. Also heißt es entweder, die Unterstützung runterzusetzen, oder mit ordentlich Druck auf dem Pedal und Drehzahl die Geschwindigkeit hochzuhalten.
Ist übrigens ein typisches Problem von Nabenmotoren. Mittelmotoren messen üblicherweise die Kraft, mit der der Fahrer in die Pedale tritt, und der Motor gibt eine voreingestellte Menge Kraft dazu. Dabei fährt man dann die Geschwindigkeit, für die es bei dem vorliegenden Fahrwiderstand ausreicht.
Bei mir jedenfalls reichte der Akku grad so aus, aber es war nicht wirklich besser als mit meinem Sumo. Sobald das wieder fit ist, werde ich Touren wieder damit fahren.

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Eine neue Möhre

Ecrit le 20.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Leider hat es die Rohloff-Nabe an meinem Haupt-Fahrrad gehimmelt. Der Ring, der die Speichen hält, bricht nach und nach. Grund ist wohl Pfusch beim Neueinspeichen gewesen, aber das wird wohl nicht leicht zu beweisen sein.
Jedenfalls, die Nabe ist hin, das Rad nicht mehr fahrbereit und ich werde bei Rohloff anrufen müssen um zu sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, wenigstens das Innenleben zu retten und in ein neues Gehäuse zu transplantieren.
Deshalb habe ich am Donnerstag ein neues gebrauchtes Fahrrad abgeholt, in Torgau an der Elbe. Ein Pedelec, das ich mir als Ersatz für meins gekauft habe. Dessen Elektronik hat eine Macke, aber der Akku ist halt noch gut.
Auch spannend, oder? Man kauft ein Fahrrad zu einem Akku!

Natürlich bin ich zum Abholen mit der Bahn gefahren, denn mit Teilauto hätte es mich gut 130 Euro gekostet - und es wäre während des Stadtradelns ohnehin nicht gegangen, da ich ja grad kein Auto benutzen darf.
So habe ich rund 60 € bezahlt und konnte das Rad auch gleich ausprobieren. Allerdings hätte ich doch etwas Werkzeug einpacken sollen, denn es war nicht gut eingestellt, was das Fahren zu einer Quälerei machte. Also bin ich nur bis Mockrehna statt bis Leipzig gefahren und habe dort wieder den Zug genommen.
Ach ja, der Titel des Beitrags. Nun, für mich ist es eine Möhre, denn man kann es keinesfalls mit meinem Sumo vergleichen, das ich üblicherweise fahre. Ich werde es also nur als eine Art Lastesel für den Anhängerbetrieb nutzen, üblicherweise nicht für längere Strecken.
Was die alte Möhre angeht, deren Elektronik eine Macke hat, werde ich sie wohl umbauen. Immerhin hat das Rad ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 150 Kg - 30 mehr als üblich. Die Zuladung wird allerdings durch die elektrische Ausstattung wieder deutlich reduziert. Also werde ich alles ausbauen, was nicht an ein zünftiges mBike (für Muscle-Bike, als Gegensatz zu eBike) gehört und eine andere Rohloff-Nabe einbauen, die ich mit einem Schrottrad bei einer Erfurter Fundsachenversteigerung erworben habe - für unglaubliche 14,40 € brutto! Und dadurch wird das Rad dann aus dem Möhrenstatus aufsteigen.

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„Support your locals!“ (Part II)

Image Ecrit le 20.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Ich muss noch ein bisschen was aus der letzten Woche nachtragen.
Letzten Sonntag war ich zunächst wieder im Freilichtmuseum Hohenfelden. Meine Lieblings-Limonadenpavillionwirtin hatte versprochen, Rindergulasch zu kochen. Denn da ich kein Schweinefleisch vertrage, kann ich – außer den süßen – ihre sonstigen Leckereien nicht essen.
So gab es also zum Mittagessen Rindergulasch mit Klößen. Eigentlich gehört noch Rotkraut dazu, da es aber mit Schinkenspeck gemacht ist … – naja, Ihr wisst schon.
Anschließend bin ich dann ins Schlosscafé Tonndorf für den Nachtisch gefahren. Wenn man den Weg da rauf hinter sich gebracht hat, hat man sich Kaffee und Kuchen redlich verdient. Das Angebot ist wechselnd, es gibt gewöhnlich zwei Sorten Kuchen, eine Suppe und eine Quiche. Alles vegetarisch, was die Sache für mich sehr angenehm macht. Kein Fleisch, kein Schweinefleisch.
Letzten Sonntag gab es eine superleckere Schokotarte. Sehr mächtig, aber auch zartschmelzend. Sie fiel also nicht wie ein Stein in den Magen.
Überhaupt sind die Leute, die das Café betreiben, sehr nett und sehr entspannt. Das schafft eine angenehme Atmosphäre. Und die Aussicht ist natürlich wundervoll.
Das führt mich unmittelbar zu der Frage, was ich wohl im Winter machen soll, wenn sie geschlossen haben. Bleibt dann nur ein Grund mehr, sich auf den Frühling zu freuen.

Den Turm kann man übrigens besteigen. Allerdings sollte man es dabei nicht eilig haben. Er ist alt und weitgehend im Originalzustand. Und das heißt, dass die Holzstufen der Stiegen teilweise recht ausgetreten sind. Die Bilder sind übrigens dort entstanden.

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Die erste Woche

Image Ecrit le 16.09.2020 de Christopher Kutzner
Equipe: Mehrwertstadt Erfurt
Commune: Erfurt

Vor zirka einer Woche hat das Stadtradeln begonnen. Wenn man jetzt so drüber reflektiert was alles in den letzten 6 Tagen passiert ist, was man gesehen hat, was für Menschen man kennen gelernt hat und bei welchen Familien man untergekommen ist, passt das eigentlich gar nicht alles in einen Blogeintrag rein. Ich will mich trotzdem etwas kurz halten.
Allein wie schnell aus kleinen Bach, ein kleiner Fluss zu einem Kanal mit Nebenfluss und dann zu einer Handelsstraße wird, ist es schon beeindruckend, wenn man Abends seine Kilometer zusammen zählt und staunt wie schnell das alles gegangen ist. Welchen malerischen Eindruck eine Landschaft mit Nebel auf einen hat und wie dieser breite Fluss zwischen steilen Gebirgshängen gemütlich weiter fließt, möchte man gern so oft anhalten, inne halten und weiter staunen! Was als idiotische Idee vor einem Jahr begann, ist ein emotional gutes Abenteuer geworden. Ein Abenteuer mit mehr Ups als Downs aktuell, merkt man:"...der Mensch ist gut..."

Kleiner Reisetipp für Donau interessierte: ab Passau lohnt sich die Landschaft und der ausgebaute Radweg erst richtig. Ein paar Kilometer vor Wien kommt man in die Domäne Wachau, wo man den einen oder andern Sturm (Federweißer) sich gönnen kann und vielen Trauben auf den Kalkhügeln beim Reifen zuschauen kann.
Am letzten Tag dieser großartigen Woche musste ich doch, da meine Knie leider nicht mehr standgehalten haben, kurz pausieren und eine kleine Strecke mit dem Zug überbrücken. Nichts desto trotz bin ich im Abenteuer angekommen und hab morgen kann es nur besser werden. Auf eine weiter Woche Stadtradeln und weiteren tollen Impressionen.

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Fahrräder kodieren in Suhl

Ecrit le 13.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Gestern, am 12.09., waren wir vom ADFC Erfurt mit drei Leuten und dem Nagelkodierer in Suhl, um den dortigen Kreisverband beim Kodieren von Fahrrädern zu unterstützen. Leider kein Tag mit vielen Fahrrad-Kilometern, aber natürlich haben wir das wirklich gute Angebot des öffentlichen Personentransports der Bahnen genutzt, um nach Suhl zu kommen. Der ADFC war auf einem Stadtfest am Diana-Brunnen vertreten.
Der Tag war anstrengend, keine Frage, aber eben auch ein schönes Gemeinschaftserlebnis. Gemeinsam haben wir ca. 35 Fahrräder kodiert, also mit einer eindeutigen Kombination aus Ziffern und Buchstaben - gewöhnlich rechts am Sattelrohr - versehen, die sich von den Behörden im Bedarfsfall dem Eigentümer leicht zuordnen lässt. Und das selbst dann, wenn das Fahrrad gar nicht als gestohlen gemeldet wurde.
Die Hoffnung ist natürlich, dass der deutlich sichtbare Code potenzielle Diebe zusätzlich abschreckt. Er entbindet die BenutzerInnen natürlich nicht davon, das Fahrrad beim Abstellen abzuschließen, am besten sogar an einem festen Gegenstand anzuschließen.

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"Support your locals!"

Image Ecrit le 13.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Getreu diesem Motto bin ich vorgestern wieder mal nach Hohenfelden ins Freilichtmuseum geradelt. Nicht, dass ich mir die Häuser nochmal hätte in Erninnerung rufen müssen - dazu war ich bereits viel zu oft dort - aber da ist die wundervolle Limonadenpavillion-Wirtin, die mit viel Energie und Freundlichkeit ihre Gäste mit hausgemachten kleinen warmen Gerichten, frischen Waffeln, selbstgebackenem Kuchen und Getränken, darunter auch ein Museums-Bier, versorgt.
Wegen der Corona-Pandemie wurden im Freilichtmuseum alle bisherigen Aktionstage abgesagt, Familienfeiern durften nicht stattfinden. Und wie alle anderen Gastronomiebetriebe leidet auch der ihre unter den wirtschaftlichen Folgen.
Also fahre ich regelmäßig hin, um sie mit meinem Konsum zu unterstützen. Und bei der Gelegenheit kaufe ich auch immer eine Kleinigkeit im Museumsladen.
Natürlich ist die Marmelade teuer, aber ich kaufe sie ja nicht, um Marmelade zu kaufen - das ginge im Supermarkt billiger und schneller. Ich kaufe meine Marmelade dort, weil ich weiß, dass auch dem Museum natürlich die Einnahmen aus den ausgefallenen Veranstaltungen fehlen.
Zum Glück kann ich mir diese Ausgaben leisten (weiß aber, dass es weniger Glückliche gibt). Das liegt an zweierlei. Erstens werde ich bei der Modis anständig bezahlt, zweitens werfe ich kein Geld für den Unterhalt eines Ressourcenvernichters zum Fenster raus. Wenn ich ein Auto für eine bestimmte Aufgabe unabdingbar benötige, nehme ich ein Teilauto (natürlich nicht während der drei Wochen Stadtradeln).

Allerdings hat Carsharing für die meisten Menschen einen wirklich gravierenden Nachteil: Gradezu brutale Ehrlichkeit!
Denn nach jeder Fahrt kann ich sofort im Internet nachsehen, was mich meine Automobilität tatsächlich gekostet hat. Und diese Rechnung wird mir dann am Monatsende auch auf Heller, Pfennig und neuerdings auch Cent präsentiert. Da ist kein Raum für die übliche Fehleinschätzung, die Kosten für einen Ressourcenvernichter im Durchschnitt um 52% zu niedrig anzusetzen (Quelle: Süddeutsche Zeitung).
Und damit nochmal zurück zum Titel: Auch Teilauto wurde von den Folgen der Pandemie stark gebeutelt. Und auch dort hieß es, solidarisch zu sein (ohne deshalb den Autokonsum zu erhöhen, natürlich).
Denn ich will einerseits, dass ich auch nach der Pandemie noch auf ein günstiges Auto zurückgreifen kann, wenn es umumgänglich ist. Und ich weiß, dass es Menschen gibt, die stärker darauf angewiesen sind als ich.

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Auftaktveranstaltung und Radtour

Ecrit le 11.09.2020 de Thilo Braun
Equipe: Modis ITO GmbH Erfurt
Commune: Erfurt

Gestern war Auftaktveranstaltung für das Stadtradeln vor den Domstufen. Und irgendwie ist es dieses Jahr recht irritierend. Denn einerseits nimmt Erfurt ja am Stadtradeln teil - was den Schluss zulässt, dass der Radverkehr gefördert werden soll.
Andererseits wird aus dem Rathaus ziemlich offen gegen Radfahrer im Allgemeinen und den laufenden Radentscheid gestänkert. Und auch gestern fehlte ein Seitenhieb mit dem Tenor "ist ja wohl alles nicht so schlecht, habt Euch mal nicht so!" nicht.
Das mag mit einer bei Politikern weit verbreiteten Attitüde zusammenhängen. Sie bewegen sich nämlich oft wie Ruderer: Vorwärts auf dem Fluss der Zeit (was sollen sie auch Anderes machen), aber der Blick ist dabei streng rückwärts gerichtet. Und mit jedem Ruderschlag erscheint ihnen die eigene Leistung gigantischer.
Würden sie sich allerdings mal umdrehen und nach vorn sehen, dann würden sie gewahr, wie weit es noch bis zum Ziel ist. Und genau deshalb - für diesen Perspektivwechsel - steht der Radentscheid.
Nur zur Erinnerung: Vor kurzem wurde ein - nicht nur aus meiner Sicht unqualifizierter - Zwischenruf aus dem Rathaus im Amtsblatt veröffentlicht. Darin wurde die Beschwerde einer Maria M. zitiert, die sich bitterlich über böse Fahrradfahrer beschwert. Dabei müsste Frau M. doch zunächst mal dankbar sein, dass diese rücksichtslosen Zeitgenossen auf Fahrrädern unterwegs sind. Nicht auszudenken, welches Schadenspotenzial diese Leute am Steuer eines 1,5 bis 2,5 Tonnen schweren Ressourcenvernichters mit vielleicht mehreren hundert PS entfalten würden.
Und das führt mich unmittelbar zu der Frage, wieso ich mich als Fahrradfahrer eigentlich jedes Mal pauschaliert abkanzeln lassen muss, wenn ein Fahrradfahrer, Auch-Fahrradfahrer, Möchtegern-Fahrradfahrer oder vermeintlicher Fahrradfahrer irgendwo irgendwann tatsächlich oder vermeintlich etwas Böses geschrieben, gesagt oder getan hat. Macht man bei Autofahrern doch auch nicht!

Und was Konflikte zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden angeht, so werden diese von der Stadtverwaltung bewusst oder grob fahrlässig herbeigeführt. Denn obwohl die allgemeine Benutzungspflicht für Radwege seit 1997 aufgehoben ist und § 45(9) klare Grenzen für Eingriffe in den Fahrzeugverkehr definiert, findet man in Erfurt noch allenthalben Zeichen 240 - "Radfahrer, verpisst Euch von der Fahrbahn" (offiziell: "Gemeinsamer Geh- und Radweg"), und zwar selbst dort, wo es die Breite gar nicht hergibt. Und das ganz offensichtlich nur, um - ganz im Sinne der Reichsstraßenverkehrsordnung von 1937 - die Radfahrer den Autofahrern aus dem Weg zu räumen. Damit wird ein Konflikt heraufbeschworen, der eigentlich nicht stattfinden sollte: Der Konflikt zwischen Fahrzeugen und Fußverkehr.

Nun, trotz allen Gegenwinds, trotz der Ambivalenz, nehme ich auch dieses Jahr wieder in exponierter Position am Stadtradeln teil und werde, wie letztes Jahr auch, für drei Wochen kein Auto von innen sehen - nichtmal zum Saubermachen! Denn mein Ziel ist und bleibt die Gleichberechtigung von Rad- und Fußverkehr mit dem motorisierten Individualverkehr. Und da ist - siehe oben - noch eine erhebliche Strecke zu rudern.

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