Liegerad fahren

Ecrit le 07.05.2019 de Angelika Belz
Equipe: Schleupen
Commune: Moers

Ich fahre seit 15 Jahren Liegerad; unten ist ein Foto davon. Und ich bin sicher: Wenn alle wüssten, wie gut es mit dem Liegerad klappt, dann hätte es jeder... Deshalb kommt hier eine Kurzeinführung (FAQ). Vielleicht ist das ja auch etwas für Sie?

Warum Liegerad fahren?
Liegeräder haben gegenüber normalen Rädern mindestens zwei enorme Vorteile:

1. Nie wieder Schmerzen am Hintern, an den Händen, Armen, Schultern, Nacken und wo immer es zwackt, wenn man einen Tag lang Aufrechtrad gefahren ist. Denn das Körpergewicht ist nicht auf wenige Quadratzentimeter konzentriert (eigentlich Wahnsinn, wie konnte man nur auf die Idee kommen?), sondern verteilt sich großflächig auf die ganze Sitzfläche, Rücken und Schultern. Deshalb müssen die Arme und Hände auch nichts stützen; ihre einzige Aufgabe ist es, den Lenker zu drehen.

2. Liegeräder sind aerodynamischer; damit fällt es leichter, schnell zu fahren, und sie sind weniger windanfällig.

Ist das schwierig?
Es ist nicht schwierig, nur am Anfang ungewohnt.

Erinnern Sie sich daran, wie Sie selbst Rad fahren gelernt haben? Oder es Ihren Kindern beigebracht haben? Das war schwierig! Gleichgewicht halten, gleichzeitig treten, lenken, womöglich bremsen, auf den Verkehr achten, Arm raushalten, nach hinten schauen, aber trotzdem weiter geradeaus fahren ... und erst das Anfahren, oje! Aber heute finden Sie es selbstverständlich, so hoch oben auf zwei Rädern zu balancieren, oder?

Meiner Meinung nach ist Liegerad fahren einfacher, weil der Schwerpunkt sehr viel niedriger liegt: Die Sitzhöhe über Boden ist an meinem Liegerad etwa 60 cm, an meinem Aufrechtrad etwa 1 m. Ich persönlich empfinde das Aufrechtrad als deutlich kippeliger.

Ist das gefährlich?
Gemeint ist damit: Ist das nicht viel gefährlicher als aufrecht Rad zu fahren?

Kommt drauf an: Wie gefährlich Radfahren ist, hängt u. a. ab von: Straßenzustand, Verkehrsführung, Radbeherrschung, Fahrstil, Aufmerksamkeit, Wetter, Bordsteine, Schienen, sonstige Hindernisse, Sichtverhältnisse, Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer ... Die meisten Faktoren gelten für alle Räder gleichermaßen. Wesentliche Unterschiede sehe ich nur in zwei Punkten:

1. Fallhöhe: Bisher bin ich erst zweimal bei langsamer Fahrt umgekippt. Das fühlt sich an, wie wenn man sich aus der Hocke auf die Seite fallen lässt: In meinem Fall recht weich und ohne Folgen (bis auf eine beklagenswerte Schnecke, die zur falschen Zeit am falschen Ort war). Vom Aufrechtrad bin ich einmal gefallen, auch bei langsamer Fahrt: Der Helm hat zum Glück meinen Kopf geschützt; an der Schulterverletzung leide ich immer noch; niemand weiß, ob ich bestimmte Bewegungen je wieder schmerzfrei werde ausführen können. Aus meiner Sicht ist das Liegerad also sicherer.

2. Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer: Pkw-Fahrende sehen mich ganz ausgezeichnet, weil ich mit ihnen auf Augenhöhe bin; das erleichtert die Kommunikation ungemein. Lkw- und Bus-Fahrende haben ohnehin den besseren Überblick, solange man sich aus ihrem toten Winkel heraushält (das gilt aber immer). Die schlechtesten Erfahrungen mache ich mit Fußgängern und Aufrecht-Radfahrern: Sie neigen am ehesten dazu, über mich hinwegzusehen.

Grundsätzlich verhalte ich mich als Radfahrerin genauso wie mit dem Auto: Alle Vorhaben deutlich ankündigen, prüfen, ob die anderen mich gesehen und verstanden haben, Fahrfehler anderer einkalkulieren und mich im Zweifel so verhalten, als ob ich unsichtbar wäre. Damit bin ich bisher gut gefahren. Die gelegentlichen gefährlichen Situationen (Autotür, Einmündung, Vorfahrt, ...) hätten sich mit einem Aufrechtrad genauso ereignet.

Kann ich das mal ausprobieren?
Ja!

Beim ersten Mal sollte man eine kurze Einweisung bekommen ("Beim Auf- und Absteigen immer die Bremsen ziehen! Wenn irgendwas ist: Immer zuerst bremsen und erst dann die Füße runternehmen! Beim Anfahren kräftig treten, wie auf jedem Rad!") und sich nicht direkt in den Stadtverkehr stürzen. Deshalb empfehle ich einen Termin beim Liegeradhändler; die machen das öfter und haben üblicherweise ein Vorführrad, das sie passend einstellen.

Wer sich einen Überblick über den Markt verschaffen möchte, geht zur Spezialradmesse in Germersheim (https://www.spezialradmesse.de/); dort gibt es auch einen großen Testparcours, auf dem man die Modelle der meisten Hersteller ausprobieren kann.

Weitere Fragen beantwortet auch diese FAQ: https://www.hpvelotechnik.com/service/liegerad_faq_d.html

Na, wäre das etwas für Sie?

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