Es tut mir leid.

Ecrit le 26.09.2020 de Harald Kreutzer
Equipe: BAUT ENDLICH GUTE RADWEGE FÜR ALLE!
Commune: Saarbrücken im Regionalverband Saarbrücken

Eigentlich wollte ich diesen Blog gerne mit ein paar netten Beispielen füllen, wie vernetzte Mobilität in Saarbrücken gelebt wird. Über den Tellerrand hinaus des Verkehrsmittels, welches man tagtäglich nutzt. In meinem Fall also das Fahrrad. Ich hatte dafür auch mal bei ein paar Leuten durchgeklingelt, welche mir vielleicht ein paar Inspirationen hätten geben können, was so vor Ort abgeht oder zumindest mal in Planung ist. Seien sie auch in ferner Zukunft, um das Fahrrad besser mit anderen Verkehrsträgern zu vernetzen. Zu oft kam da allerdings "Sie können das Fahrrad nach 9 Uhr im Bus kostenlos mitnehmen!" und dann musste das Gegenüber oft überlegen, was man nun noch aufzählen könnte. Zu oft hatte ich auch das Gefühl, dass die Leute vom Fach sich zwar mit "ihrem" Verkehrsmittel arrangiert haben, aber dass das Weiterdenken aufhört, wo es eine andere Zuständigkeit betrifft. Das ist wirklich sehr schade.

Es gibt ja schon auch ein paar Beispiele, die man noch hätte erwähnen können, wie z.B. die Fahrradboxen, welche an einigen Bahnhöfen stehen oder dass man Klappräder auch umsonst vor 9 Uhr mitnehmen kann. Theoretisch. Wenn man das allerdings mal ganz praktisch ausprobiert, dann merkt man schnell, wo man im bestehenden System an Grenzen stößt. Als ich in der ersten Woche des Stadtradelns mit dem Klapprad im ÖPNV unterwegs war, habe ich schon an der einen oder anderen Stelle leise geflucht. Ich fahre sehr gerne ÖPNV, aber mit dem Fahrrad dabei ist das noch mal eine ganz andere Geschichte. So ein Klapprad nimmt ja eigentlich nicht viel Platz weg im zusammengefalteten Zustand, aber wenn man sich damit in den morgendlichen Schul- und Berufsverkehr begibt, dann können einem schon mal die Schweissperlen auf die Stirn treten. Die Busse sind zu diesen Zeiten sowieso schon ziemlich überfüllt und wenn man dann noch ein Fahrrad unter dem Arm hat, muss man schon ziemlich jonglieren und sich sein Eckchen suchen. Keine Erfahrung, die wirklich Spaß macht. Aber wie sagte jemand letztens aus dem Bereich ÖPNV zu Fahrrädern im Bus? Eigentlich nehmen sie in Bussen ja schon viel Platz weg für reguläre Gäste. Ich verstehe das Dilemma, aber so macht man es den Leuten halt auch nicht unbedingt schmackhaft, dass sie zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln wechseln, wenn dort schon Hürden aufgebaut werden. Lösungen müssen her! Wie wäre es mit Bussen, welche mehr Platz lassen im Eingangsbereich? Oder sollten Fahrräder vielleicht auf eine Art Gepäckträger hinter dem Bus? Vielleicht gibt es auf diesem Planeten ja schon irgendwo eine Lösung, wo dies gut geregelt wird?

Als Neu-Besitzer eines Klapprades, welcher dies im ÖPNV nutzen möchte, muss ich auch mal Kritik los werden an den jeweiligen Fahrrad-Firmen: Ich hab ziemlich lange darüber gerätselt, welches Klapprad ich mir nun zulege. Man kann dort ja schon einige Hundert bis Tausend Euro auf den Tisch legen für ein Klapprad. Ich habe mich dann für eine Variante entschieden, welche knapp über 500 Euro (auch nicht gerade wenig Geld für mich) gekostet hat, jetzt aber auch schon wieder rumzickt bei der Schaltung. Bei Koffern werben die bekannten Marken damit, dass sie gut für's Flugzeug geeignet sind, weil sie besonders leicht sind oder bestimmte Maße nicht überschreiten. Habt ihr das schon mal an Falträdern gesehen, dass diese damit werben, dass sie wegen X, Y oder Z besonders gut für den ÖPNV oder für's berufliche Pendeln sind? Ich nicht. Es würde mich aber interessieren und ich denke viele andere auch, weil man so ein Ding ja meist nicht kauft, um damit längere Strecken zurück zu legen. Im Saarland gab es da ja auch schon mal durch das saarländische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr eine Initiative, um "vergünstigte" Klappräder an die Frau oder den Mann zu bringen? Vielleicht kann man ja durch das Ministerium noch mal auf dieses Thema drauf gucken und vielleicht ist ja auch vorstellbar, dass man Menschen dabei mit Gutscheinen unterstützt, welche das Auto stehen lassen und sich dafür ein Klapprad zu legen + eine ÖPNV-Karte? Klar, natürlich nicht nur als Förderung für diese Gruppe der Gesellschaft gedacht, weil die anderen zwar vielleicht kein Auto haben, aber ebenso gefördert werden müssten.

Schwierig ist bei der Fahrradmitnahme im Moment auch der verfügbare Platz im Bus. Wäre es dort vorstellbar, dass man über eine App eine Info bekommt, wie voll der jeweilige Bus oder die Bahn ist? Hierfür müsste man allerdings auch ermitteln, wie viele Personen sich im Moment in dem jeweiligen Verkehrsmitteln befinden und so weit ist die Technik im saarländischen ÖPNV glaube ich noch nicht (siehe meinen ersten Beitrag "Tüt, tüt!")?

Eigentlich wollte ich als sog. "Stadtradel-Star" auf schöne Beispiele ein gehen, wie man das mit der vernetzten und digital-unterstützten Mobilität im Saarland gut hin bekommen kann. Im Moment gehe ich aber eher mit dem Gefühl aus diesen 3 Wochen des Stadtradelns heraus, dass das Thema noch eine große, große, große Baustelle ist und sich im Moment noch niemand wirklich zuständig fühlt. Vielleicht gibt es ja auch die eine oder andere schöne und positive Entwicklung, welche ich übersehen habe? Dann würde ich mir sehr wünschen, dass man dies verstärkt öffentlich kommuniziert, damit ich, aber bestimmt auch viele andere Menschen davon profitieren können und hoffentlich vielleicht Menschen vom PKW auf den ÖPNV und das Fahrrad umsteigen!

Euer Harald von Weltveränderer e.V.

PS: OK, einen habe ich noch: Ich würde mir sehr, sehr wünschen, dass die Menschen, welche über die Mobilität der Zukunft entscheiden, auch mal die unterschiedlichen Fortbewegungsarten am eigenen Leib auf dem Weg zur Arbeit ausprobieren und nicht nur in Besprechungszimmern vom grünen Tisch darüber diskutieren. Manchmal drängt sich mir der Eindruck auf, dass Entscheider*innen z.B. aus/ für dem/ den Bereich ÖPNV, diesen gar nicht für ihre alltäglichen Wege nutzen. Wie kann man ein Produkt nach vorne bringen, wenn doch lieber das Auto nutzt, weil man sich insgeheim denkt, dass der ÖPNV ja so schlecht ist und man daher doch das Auto benutzen "muss"?

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