3 Wochen STADTRADELN-Star: Ein Résumé

Image Ecrit le 26.09.2020 de Anna Hofmann
Equipe: UMSICHT
Commune: Oberhausen in der Metropole Ruhr

Fern ab von den anfänglichen Schwierigkeiten als STADTRADELN-Star und der sich daraus ergebenden Pflicht auch auf die Mitbenutzung von Autos anderer zu verzichten, hat mir die Zeit als STADTRADELN-Star vor allem eins gebracht – jede Menge Spaß, Ortskenntnis und neue Kontakte!

Bei zumeist bestem Wetter bin ich in dieser Zeit nicht nur mit dem Rad zur Arbeit (Aktion mdRzA läuft noch bis 30.09.2020) unterwegs gewesen, sondern habe auch die zusätzliche Motivationsspritze genutzt, um intensiv mein neues zu Hause und die Region zu erkunden. Immer im Gepäck meine Secondhand-Fahrradtasche sowie Hänge- oder Isomatte für die gemütliche Pause zwischendurch, möglichst im Grünen.

So gingen viele meiner Tagestouren in die nahegelegenen Städte und Stadteile, wie bspw. Bochum, Mühlheim an der Ruhr, Hattingen, Duisburg Nord und Essen Kettwig. Dabei hat die Aktion auch dazu geführt, dass ich Freunde und Familie zum (vermehrten) Umstieg aufs Rad motivieren konnte. In bester Gesellschaft war ein gemeinsames Highlight auf jeden Fall der Besuch des Landschaftspark Duisburg Nord und die Führung im Hochofen 5 sowie eine 25 km lange Radtour für veganes Sushi nach Bochum.

Auch zeigte sich einmal mehr, dass Radfahren verbindet! Insbesondere zu Corona-Zeiten bietet sich so eine ideale Form des Kennenlernens für Zugezogene. Sei es durch Events wie den wöchentlichen Radler-Stammtisch in der Radmosphäre (Radler-Bistro in Essen-Altendorf) oder Smalltalk mit Gleichgesinnten während meiner Touren. Oft genug wurde ich beim Radeln bereits angesprochen, bevor ich selber wusste, dass ich mich gerade verfahren hatte. Das Ruhrgebiet überzeugt durch Hilfsbereitschaft und Offenheit der Radfahrenden!

Zudem haben mir die oft gut ausgebauten Radfernwege (RS 1, RuhrtalRadweg), Themenrouten (NaturRoute, TalRoute) und das Knotennetzsystem das Radfahren sehr entspannt gemacht. Innerstädtisch und auf den Hauptverkehrsadern der Stadt weist das Radwegenetz jedoch noch erhebliche Defizite in seiner Durchgängigkeit auf. Hier macht das Radfahren oft nicht nur keinen Spaß, sondern führt auch nahezu täglich zu mindestens einer gefährlichen Verkehrssituation. Dabei ist im innerstädtischen Bereich der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad mit am wichtigsten.

Daran anschließend möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal auf die starke Umweltverschmutzung der Radwege und Städte im Raum Essen hinweisen. Nicht selten liegen die grünen Randstreifen oder Wege voll mit Plastik, Verpackungen, Zigarettenstummeln und (zerbrochenen) Glas- oder Plastikflaschen. Das gilt insbesondere in der näheren Umgebung von Abfallbehältern, Rastplätzen oder Take-Aways, wie bspw. dem mobilen Fahrrad-Café an der Zeche Zollverein Essen.

Oft sind die Müllbehälter nicht nur zu gering bemessen, auch die Entleerungsintervalle scheinen zu grob gewählt. Dies zeigt sich insbesondere auch auf meinem Weg zur Arbeit, wo ich werktäglich beobachten kann, wie sich die Müllberge um die Abfallbehälter über Tage weiter auftürmen.

So endet das STADTRADELN 2020 – Oberhausen für mein robustes Trekkingrad Europa trauriger Weise mit einem Platten am vorletzten Tag. Deshalb griff ich gestern trotz herbstlichem Wetter auf mein geliebtes 50-jähriges Rennrad Gitane zurück. Das Flicken steht heute bei der allwöchentlichen Fahrradwartung an.

Zusammenfassend lässt sich sagen, Radfahren in der Metropolregion Rhein-Ruhr hat Potenzial. Zwar wurde mit Pilotprojekten wie dem RS 1 und dem Knotennetzsystem schon einiges erreicht, bis zu einer „Fahrradcity“ ist es jedoch noch ein langer, steiniger Weg. But we’ll get there…Dank freier und politisch unabhängiger Bürgerinitiative wie dem RadEntscheid Essen, dem ADFC als bundesweit agierender Radfahrverband, aber auch dem Engagement jeder/jedes Einzelnen durch Aktionen wie die Critical Mass, mdRzA und natürlich auch STADTRADELN.

Wenn alle gemeinsam eine neue Begeisterung für das Zweirad entfachen, die vorhandenen positiven Tendenzen stärken und insgesamt die Radverkehrsnutzung steigern, macht dies weitere Anstrengungen in der Fahrradpolitik zwingend erforderlich: Für die Verbesserung der Radwege-Infrastruktur im Ruhrgebiet und für den Schutz unserer Umwelt!

In diesem Sinne: Danke an STADTRADELN 2020 – Es war mir eine Freude und bis zum nächsten Jahr! Am Ende stehen auf meinem persönlichen Kilometerzähler übrigens in Summe 634 km an 21-Radeltagen. Aber weil vor dem STADTRADELN nach dem STADTRADELN ist, werden ich schon spätestens Montag wieder im Fahrradsattel gen Arbeitsplatz sitzen.

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/oberhausens-stadtradel-star-setzt-auf-ein-30-jahre-altes-rad-id230391584.html

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-ruhr/video-anna-hofmann-oberhausens-rad-influencerin--100.html

Weitere Informationen:
https://radentscheid-essen.de/
https://www.adfc-nrw.de/willkommen-beim-adfc-nrw.html
https://criticalmass.de/
https://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de/bundesweit/index.php

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